Wurde ein Zwischenfall im AKW Biblis verschwiegen?

Hamburg/Wiesbaden. Die Umweltorganisation Greenpeace hat einen nicht gemeldeten Zwischenfall im ältesten deutschen Atomkraftwerk Biblis A angeprangert.

Beim Anfahren des Reaktors am 20. Oktober vergangenen Jahres habe eine Dichtung des inneren Reaktordruckbehälters dem Druck nicht standgehalten, berichtete die Organisation am Dienstag in Hamburg unter Berufung auf interne Protokolle. Erst die äußere Deckeldichtung habe ein Leck verhindert. Das hessische Umweltministerium bestätigte den Zwischenfall, der nach Atomrecht aber eindeutig nicht meldepflichtig gewesen sei.

„Der Reaktordruckbehälter ist das Herzstück des Atomreaktors. Hier darf eine defekte Dichtung nicht ignoriert werden“, erklärte hingegen der Greenpeace-Atomphysiker Heinz Smital. Ein plötzliches Versagen des Reaktordruckbehälters hätte seiner Ansicht nach radioaktiven Dampf in den Sicherheitsbehälter freisetzen können. Es habe sich um einen „gefährlichen Störfall“ gehandelt, der in allen deutschen Atomkraftwerken auftreten könne. Greenpeace hielt der Atomindustrie vor, regelmäßig Störfälle nicht zu melden und Wirtschaftlichkeit vor Sicherheit zu setzen.

Das hessische Umweltministerium wies in Wiesbaden den Vorwurf einer Vertuschung zurück. Der Vorfall sei nach Atomrecht eindeutig nicht meldepflichtig gewesen. Nach Bewertung der Atomaufsicht sei der berichtete Zustand des Reaktors ohne sicherheitstechnische Bedeutung und erlaube nach der geltenden Betriebsgenehmigung, die Anlage weiterlaufen zu lassen. Der TÜV Nord habe die ergriffenen Maßnahmen als geeignet bestätigt. Es habe zu keiner Zeit eine Gefährdung des Personals oder der Umgebung bestanden.

Die Oppositionsparteien SPD, Linke und Grüne verlangten von Umweltministerin Lucia Puttrich (CDU) weitere Aufklärung auch zur Informationspolitik der Betreibergesellschaft RWE. Die Parteien setzten sich erneut für eine dauerhafte Abschaltung der derzeit stillstehenden Kraftwerksblöcke Biblis A und B ein. (dpa)

Die Atomkraftwerke in Deutschland und Europa

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Quelle: HNA

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