Zehn Jahre nach Johannas Tod keine Spur vom Mörder

Gießen. Die kleine Johanna Bohnacker wurde schon sieben quälende Monate vermisst, als Spaziergänger am 1. April 2000 ihre Leiche im Wald bei Alsfeld entdeckten.

Von dem Mörder der Achtjährigen mit den langen blonden Haaren, die zuletzt beim Spielen an einem Sportplatz in ihrem Heimatort Ranstadt-Bobenhausen gesehen worden war, fehlt auch zehn Jahre später noch jede Spur. Nach dem Täterprofil des Landeskriminalamtes kannte das Mädchen ihren Mörder. Die Polizei nahm in drei Massentests die erwachsenen Männer in der Umgebung ins Visier, jedoch ohne Erfolg. „Die Ermittlungen ruhen nicht“, sagt Jörg Reinemer von der Polizei in Friedberg. „Aber es ist schwierig nach so langer Zeit.“

„Es gehen immer mal wieder Hinweise ein, denen auch nachgegangen wird. Im Moment haben wir aber nichts Heißes“, sagt die Gießener Staatsanwältin Ute Sehlbach-Schellenberg. Einzelheiten nennt sie nicht. Mit einem riesigen Plakat am Ortseingang von Bobenhausen in der Wetterau hatte sich die dreiköpfige auf Gewaltdelikte spezialisierten Ermittlergruppe der Polizei im vergangenen Jahr - zehn Jahre nach Johannas Verschwinden - erneut an die Öffentlichkeit gewandt. „Wo sind die Mörder?“ war über einem Foto Johannas zu lesen, und darunter: „Gesucht seit 2.9.99“ sowie die Polizei-Telefonnummer. „Das Plakat war auch eine Mitteilung an den Täter: „Wir ruhen nie, bis wir Dich haben!"“, sagt Reinemer. Dabei setzten die Ermittler auch auf neue Ermittlungsansätze, den Kontakt mit anderen Dienststellen und neue technische Möglichkeiten, denn am Fundort wurde ein Teilabdruck eines Fingers oder einer Handfläche des Täters auf einem Klebeband gesichert, mit dem Johanna gefesselt worden war.

Drei Massentest-Reihen von insgesamt rund 1500 Männern blieben allerdings ohne Ergebnis. Zunächst hatten 442 Männer aus der nächsten Umgebung ihre Fingerabdrücke abgegeben. Die zweite Reihe, die im April 2005 begann, umfasste die Benutzer einer Bauschuttdeponie in der Nähe des Entführungsortes. Der Polizei war jahrelang verborgen geblieben, dass dort ein Kassenbuch mit den Namen der Besucher geführt worden war. Bei dem zweiten Test nutzten die Ermittler bundesweit erstmalig in einem Massenvergleich neue elektronische Lesegeräte. Johannas Spur hatte sich auf dem Sportplatz am Ortsrand ihrer Heimatgemeinde verloren, nur etwa 400 Meter von ihrem Elternhaus entfernt, wo sie noch kurz zuvor mit Freundinnen gespielt haben soll. Ihr Fahrrad wurde kurz darauf in der Nähe des Platzes gefunden, auf dem noch ein Fußballspiel geplant war.

Spaziergänger entdeckten die Überreste der Leiche des Mädchens rund 100 Kilometer weiter in einem Waldstück an der Autobahn Kassel-Darmstadt (A5), direkt an einem inoffiziellen befahrbaren Weg zur Autobahn. Die Eltern identifizierten die sichergestellte Kleidung als die ihrer jüngsten Tochter. Das tote Kind muss schon länger im Wald gelegen haben, die Polizei geht davon aus, dass der Täter die Schülerin bald nach ihrem Verschwinden umgebracht hat. Beim letzten Test, der bis Januar 2007 ging, waren 569 Männer, die einen VW Jetta mit Kennzeichen Hochtaunuskreis (HG) fuhren, zur Abgabe ihrer Finger- und Handprints aufgerufen worden. Ein Auto dieses Typs war zur Tatzeit in der Nähe des mittelhessischen Orts gesehen worden, der Fahrer soll einen Zopf getragen haben. 15 der 569 Männer waren zunächst nicht zu dem Test erschienen, wurden aber später überprüft. Ohne Erfolg.

In der 5000 Einwohner-Gemeinde Ranstadt in Mittelhessen ist das grausame Verbrechen an der Schülerin nicht vergessen. „Hier wird noch ganz oft darüber gesprochen, insbesondere in Elternkreisen“, berichtet Bürgermeisterin Cäcilia Reichert-Dietzel (SPD). Vor allem die, die das Mädchen gekannt oder Kinder im gleichen Alter haben, fragten sich, was die jetzt 18-Jährige Johanna wohl machen würde. Die Eltern und die beiden Schwestern Johannas sollen zwar noch in der Nähe leben, aber längst nicht mehr in dem Haus in dem Stadtteil mit seinen rund 400 Einwohnern von damals. Dieses stehe seit Jahren leer, heißt es in der Stadt. Es sei verfallen, eine Ruine, gleiche einem Geisterhaus. (dpa)

Quelle: HNA

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