Schlechtes Wetter verhagelt Bilanz - Hessens Landwirte erschließen neue Märkte

Zehn Prozent weniger Lohn

Kassel / Erbach. Schlechtes Wetter hat Hessens Bauern einen Strich durch die Rechnung gemacht: Im Vergleich zu 2008 seien die Einkommen der Landwirte um rund zehn Prozent gesunken, teilte der Bauernverband gestern zum Landeserntedankfest an diesem Sonntag in Erbach im Odenwald mit.

Durch den Wettbewerb im Einzelhandel und die Marktmacht der Handelskonzerne verharrten die landwirtschaftlichen Erzeugerpreise seit Jahren auf einem äußerst niedrigen Niveau, kritisierte der stellvertretende Generalsekretär des Hessischen Bauernverbandes, Hans Hermann Harpain. Der Anteil der Landwirtschaft an den Ausgaben der Verbraucher für Nahrungsmittel sei deutlich gesunken, von 44 Prozent Anfang der 1980er-Jahre auf 22,6 Prozent in den Jahren 2008/2009. „Heutzutage geben die deutschen Verbraucher nur nochelf Prozent ihres Einkommens für Lebensmittel aus, 1970 waren es knapp 19 Prozent“, sagte Harpain.

Clevere Landwirte in Hessen haben unterdessen weitere Absatzwege für ihre Erzeugnisse erschlossen: Sie arbeiten mit Handelsketten zusammen - und nicht selten landen Äpfel, Birnen, Spargel und Bohnen ohne Umwege an den Obst- und Gemüsetheke des Supermarktes um die Ecke.

Martin Stark beispielsweise aus Oberursel liefert seit vier Jahren regelmäßig Eier und Nudeln an Rewe-Supermärkte. Er ist begeistert: „Die Sache hat super gefruchtet.“ Aus einer belieferten Filiale in Frankfurt wurden 15. Innerhalb kurzer Zeit verkaufte er 50 Prozent mehr Eier. Um die Nachfrage zu decken, stockte der Landwirt die Zahl seiner Hühner von 4500 auf 11 000 auf. Er baute einen neuen Stall und stellte einen Mitarbeiter ein.

Die Ware im Supermarkt bietet er zum gleichen Preis an wie im Hofladen, sagt Stark. Die Handelskette erhält einen prozentualen Anteil am Umsatz. In die Regale komme nur, „was der Landwirt selbst produziert“ – das Angebot reicht von Obst und Gemüse bis zum Fisch. Um die Wünsche der Kunden abzudecken, liefern Stark und seine Kollegen von der Vereinigung hessischer Direktvermarkter sowohl konventionelle als auch biologische Lebensmittel.

Rewe-Wettbewerber Edeka vermarktet regionale Produkte aus Hessen unter einem eigenen Markennamen.

In einigen Regionen kombinieren Landwirte auch Einkaufs- und Tourismuserlebnis. So führt im Kreis Waldeck- Frankenberg die Milch- und Käseroute zu Höfen und Gasthäusern. (dpa/jum)

Quelle: HNA

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