Karl Moik: Abrechnung mit dem Musikantenstadl!

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Am Mittwochabend war Karl Moik zu Gast bei Markus Lanz

München - Wenn am Samstag in Fribourg das 30-jährige Jubiläum des Musikantenstadl gefeiert wird, dann wird der Mann nicht dabei sein, der die Sendung erfunden hat: Karl Moik. Er ist richtig sauer.

„Ich bin nicht eingeladen“, sagte er am Mittwochabend in der Talkshow von Markus Lanz, und in jeder Silbe klang vor allem eines mit: eine tief sitzende Verbitterung. Moiks Abrechnung mit dem Stadl und den Verantwortlichen der Sender:

Im Januar 2005 habe er „aus einer Quelle“ erfahren, dass sein Vertrag als Moderator des Musikantenstadl nicht mehr verlängert werden soll, berichtet der heute 72-Jährige. Ein direktes Gespräch zwischen ihm und den obersten Senderchefs habe es zunächst nicht gegeben. Bis dahin sei es gang und gäbe gewesen, dass die Intendanten höchstselbst seine Verträge unterschrieben hätten.

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Nun aber, da es darum ging, Moik mitzuteilen, dass man künftig ohne ihn arbeiten wolle, hätten sich „zwei Typen aus der dritten und vierten Etage in der Hierarchie der Sender“ mit ihm treffen wollen. In einem Hotel in Salzburg sei ihm dann mitgeteilt worden, was er ohnehin schon wusste: dass man nicht mehr mit ihm als Moderator plane. „Von einem Tag auf den anderen“ sei er weg gewesen, so Moik. „Das packt niemand leicht.“

Die Silvesterausgabe 2005 war dann seine letzte Show. Moik hatte Tränen in den Augen, als er sich von seinem Publikum verabschiedete. Nach der Sendung erlitt er einen Schwächeanfall. Kam für einige Tage ins Krankenhaus.

Der Abschied hat wehgetan, daraus macht Moik auch bei Markus Lanz keinen Hehl. Eineinhalb Jahre habe er gebraucht, um sich davon zu erholen. Dass seine Karriere einmal zu Ende gehen würde, das war ja klar. Ende 2005, da war er immerhin 67 Jahre alt. Aber dass man ihn, wie er es formuliert, wie einen „Aussätzigen“ ­behandelt habe, das beschäftigt ihn bis heute.

Eine einzige Ausgabe vom Musikantenstadl hat Moik seit seinem Abschied gesehen – die Premiere seines Nachfolgers Andy Borg im Herbst 2006. „Danach habe ich keine Sendung mehr angeschaut“, sagt er. Eingeladen worden sei er auch nie wieder. „Mich hat nie jemand angerufen.“ Auf Anfrage der tz bei den Sendern heißt es übrigens, dass Karl ­Moik sehr wohl eine Einladung zum Jubiläum bekommen habe. Er habe aber seinerseits eine Absage erteilt.

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30 Jahre: Die Volksmusikshow hat Geschichte geschrieben

Der Musikantenstadl hat sie alle gehabt – Patrick Lindner, Heino und vor Kurzem sogar David Hasselhoff. An diesem Samstag feiert die Erfolgssendung mit einer großen Jubiläumsshow ihren 30. Geburtstag in Fribourg (Schweiz).

Am 5. März 1981 wurde der erste Stadl aus dem österreichischen Enns ausgestrahlt. Es war die Idee von Karl Moik, eine Unterhaltungssendung zu gestalten, „allerdings mit den Superstars und ohne den Bierzeltmief“, sagte der 72-Jährige dem BR.

Mehr als 180 Sendungen sind seitdem produziert worden, darunter Folgen in Moskau, Dubai, Melbourne und Kapstadt. Zu den Höhepunkten der Volksmusikshow zählt das Gastspiel in Peking im Oktober 1999. Drei Jahre lang war die Sendung vorbereitet worden; schließlich reisten 4500 Stadl-Fans in mehr als 20 Flugzeugen und mit der transsibirischen Eisenbahn nach China. Über 812 Millionen Zuschauer in China – und 10 Millionen in Europa – sollen den Peking-Stadl aus der Verbotenen Stadt verfolgt haben. Nie zuvor war es einer ausländischen TV-Produktion gelungen, hier zu drehen.

Doch es gab auch Tiefpunkte in Moiks Karriere: So zum Beispiel, als er 2004 in seiner Show die Italiener als „Spaghettifresser“ bezeichnete. Im gleichen Jahr erlitt er einen Herzinfarkt – und nach dem Silvesterstadl in Klagenfurt 2005 einen Schwächeanfall. Ein halbes Jahr später übernahm der heute 50-jährige Andy Borg die Moderation, den bis zum heutigen Tag mit Moik eine langjährige Freundschaft verbindet, die durch die Umbesetzung nicht gelitten hat.

tz

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