„Nichts zu verzollen“: Ein bisschen Pass muss sein

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Aufgepasst: Benoît Poelvoorde will als Ruben (l.) in „Nichts zu verzollen“ seinem Erzfeind Matias (Dany Boon) zeigen, wo es lang geht.

Nach „Willkommen bei den Sch’tis“ ist Regisseur Dany Boon mit „Nichts zu verzollen“ wieder ein großer Film gelungen. Hier gibt es den Kinotrailer und die Filmkritik.

Dezember 1992: Der belgische Zollbeamte Ruben Vandevoorde (Benoît Poelvoorde) ist stinksauer, denn „die da oben in der EU“ wollen ihm seine geliebte Grenze zu Frankreich wegnehmen. „Ein bisschen Pass muss sein“, findet der Patriot – und hört nicht auf, die verhassten „Eindringlinge“ zu schikanieren. Daraufhin wird er dazu verdonnert, ausgerechnet mit seinem Erzfeind, dem schlitzohrigen französischen Zöllner Mathias Ducatel (Dany Boon), eine mobile Drogenfahnder-Patrouille zu bilden. Zwei Streithähne in einer Schrottkarre – das kann nicht gutgehen. Und als herauskommt, dass Mathias sich in Rubens Schwester verliebt hat, ist Polen endgültig offen. Oder vielmehr Belgien endgültig zu: Ruben sieht rot.

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In der Rolle des reinrassigen Rassisten Ruben, der nicht nur ein Brett vorm Hirn hat, sondern einen ganzen Grenzbaum, agiert der brillante belgische Schauspieler Benoît Poelvoorde („Mann beißt Hund“) so herrlich cholerisch wie einst Louis de Funès in den Polizisten-Possen der 60er Jahre. Als sein dickschädeliger Gegenspieler Mathias entwickelt Stand-up-Comedian Dany Boon, der auch das Drehbuch geschrieben und Regie geführt hat, Schlawiner-Charme. Sämtliche Nebenrollen sind ebenso exquisit besetzt. Stellvertretend für alle sei die begnadete Komödiantin Karin Viard genannt, die hier die Betreiberin der Grenzkaschemme „No Man’s Land“ verkörpert. Mit diesem köstlichen Kleinkrieg zwischen „Franzacken“ und „Frittenfressern“, der in Frankreich rund zehn Millionen Zuschauer ins Kino lockte, beweist Boon, dass sein Mega-Erfolg „Willkommen bei den Sch’tis“ keine Eintagsfliege war. Der Filmemacher hat ein Händchen für publikumswirksame Unterhaltung und ein Herz für die Schwächen seiner Figuren – selbst wenn es sich um bornierte Beamte handelt. Mit teils feinem, teils deftigem Humor entlarvt er die Absurdität von Vorurteilen. Geschickt kombiniert er Slapstick-Action und Wortwitz mit einer Liebesgeschichte à la „Romeo und Julia“. Der Nachname seiner Filmfigur ist kein Zufall: Ducatel war der Geburtsname von Boons Mutter, die von ihrer erzkatholischen Familie verstoßen wurde, als sie sich mit 17 in Boons Vater verliebte – einen Algerier.

Marco Schmidt

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