Schüler auf Spurensuche

Achtklässler der Südringgauschule nehmen an Geschichtsprojekt teil

Neugierig hörten die Herleshäuser Schüler dem ehemaligen Zollbeamten Detlev Traut zu: Anton Braun (Mitte, mit Mikrofon) zeichnete das Interview auf. Lucas Bencke (vorne links mit Kamera) dokumentierte das Gespräch im Bild. Foto: Klemm/nh

Herleshausen. „Heute können sich viele junge Leute gar nicht mehr vorstellen, dass mitten im Land einmal eine Grenze existiert hat, durch die man nicht so einfach durchkommt“, sagt Anette Wetterau aus Herleshausen.

Die Lehrerin beteiligt sich mit der achten Klasse der Südringgauschule am Projekt „Grenzenlos“. Zu dem Projekt hatten der Hessische Rundfunk und das Hessische Kultusministerium gemeinsam mit der Stiftung Zuhören aufgerufen.

Im Jubiläumsjahr der deutschen Einheit ist die Herleshäuser Klasse eine von insgesamt 15 hessischen Schulen, die auf digitale Spurensuche geht (wir berichteten). Wetterau hat gemeinsam mit ihrer Kollegin Heidrun Henning das fächerübergreifende Projekt im Wahlpflichtfach Ortsgeschichte ins Leben gerufen. Die Schüler beschäftigen sich nun ein Schulhalbjahr lang mit dem ehemaligen Grenzübergang in Herleshausen/Wartha.

Neun Zeitzeugen befragt 

Als Zeitzeuge besuchte jüngst der ehemalige BRD-Zollbeamte Detlev Traut die Schüler in der Südringgauschule. Fasziniert hörten die junge Leute, wie der heute 62-Jährige damals im Grenzaufsichtsdienst tätig war. Mit einem Spezialtrupp kontrollierte er vor Ort auf Rauschgift, Waffen, Alkohol und Zigaretten.

Heute ist Traut im Ruhestand und macht begeistert bei dem Schulprojekt mit: „Ich finde es toll, dass sich die Schüler damit beschäftigen. Der Grenzübergang hat den kleinen Ort Herleshausen deutschlandweit bekannt gemacht“, sagt Traut.

Seit Beginn des Schulhalbjahres haben die jungen Geschichtsforscher bereits neun Zeitzeugen zu ihrem ehemaligen Grenzübergang befragt. Mit dabei waren ehemalige Zollbeamte, ehrenamtliche Helfer des Roten Kreuzes, Altbürgermeister Helmut Schmidt, politische Flüchtlinge sowie der Leiter der ehemalige Raststätte in Herleshausen. Bis jetzt hat die Schule mehr als 50 Schulstunden ins Projekt investiert.

Eigene Videos gedreht 

„Die Schüler erwerben Kompetenzen im Bereich Recherche, Medientechnik, Geschichte und Multimedia – eine wichtige Grundlage fürs spätere Berufsleben“, sagt Lehrerin Heidrun Henning.

Die Interviews wurden mit der Videokamera und einem Aufnahmegerät aufgezeichnet und am Computer geschnitten. Außerdem haben die Schüler die Gespräche mit eigenen Fotos dokumentiert und die Orte an der ehemaligen Grenze besucht.

„Es hat sehr viel Spaß gemacht, die Clips aufzunehmen, aber es war auch echte Arbeit, die Videos zu schneiden und die passenden Clips rauszusuchen“, sagt der 16-jährige Eric Rajaonarison.

„Die Schüler erwerben Kompetenzen im Bereich Recherche, Medientechnik, Geschichte und Multimedia – eine wichtige Grundlage fürs spätere Berufsleben.“

Gemeinsam mit Mediencoach Franziska Klemm werden die Schüler Anfang Juli die Interviews zu einer Multimedia-Geschichte zusammenfügen.

Alle multimedialen Geschichten, die von den Schülern erarbeitet wurden, werden in Kürze auf auf einer Internetseite präsentiert. (red/esp)

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