Besuch aus Israel in Nesselröden

Nesselröden: Nachfahren der im Holocaust getöteten Eheleute Süßkind bei Verlegung von Stolpersteinen

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Mitbringsel der Enkel: ein Foto ihrer Großeltern Jenny und Sally Süßkind (großes Bild), die sie niemals kennenlernen durften. Denn die Eheleute Süßkind wurden in den Gaskammern des Vernichtungslagers Sobibòr von den Nazis 1942 in Polen ermordet.

Nesselröden. Überraschung in Nesselröden: Dort haben sich kurzfristig israelische Nachfahren der jüdischen Eheleute Sally und Jenny Süßkind angemeldet.

Die Familiengeschichte

Gedachten ihren Großeltern: (vordere Reihe, ab der zweiten Person von links) die Enkel Gidon, Nava und Yael Süßkind-Keller sowie Dan Süßkind (hintere Reihe, Achter von links) bei den Stolpersteinen in der Holzhäuser Straße 1 in Nesselröden.

Jenny Süßkind, geborene Wallach, wurde in Nesselröden geboren, heiratete dort 1910 den Viehhändler Sally aus Heuchelheim. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurden die Eheleute Süßkind am 30. Mai 1942 in das Vernichtungslager Sobibór deportiert. Noch an diesem Tag schrieben sie ihrem Sohn Siegfried eine Nachricht: „Wir gesund, ihr werdet länger ohne Nachricht von uns sein.“ Es sollte das letzte Lebenszeichen der Eheleute sein – vier Tage später wurde ihr Todesdatum registriert. Ihr Sohn Dr. Karl Siegfried Süßkind überlebte den Zweiten Weltkrieg: Er war bereits 1936 zusammen mit seiner Frau Traudel nach Israel emigriert und war dort ein bekannter Kinderarzt in Jerusalem.

Der Besuch Nun kamen die Enkel- und Urenkelkinder von Jenny und Sally Süßkind von Israel nach Nesselröden: Dort waren bereits im September 2014 Stolpersteine für die Familie Süßkind verlegt worden, die sich die Enkel von Jenny und Sally nun ansahen. Zuvor hatten sie an der Verlegung von den Stolpersteinen in Heuchelheim teilgenommen, der Geburtsstadt von Sally Süßkind.

Enkelin Yael Süßkind-Keller sagte in einer Rede , dass sie es als sehr wichtig empfinde, dass das Schicksal ihrer Großeltern und der sechs Millionen anderen getöteten Juden nicht vergessen werden dürfe. „Wir sollten alles tun, (...) dass sich so etwas, und auch anderes Böses, in unserer Welt nie wiederholt. Wir sollten nach Frienden streben für alle Nationen und alle Menschen.“ Dennoch dürfe man diese dunklen Tage nicht vergessen. (red/ej/cow)

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