Auch Sichtungen bei Meinhard-Frieda

Der Biber nagt wieder: Hinweise auf das Tier bei Herleshausen gefunden

Herleshausen. Seine Aufnahme sei ein glücklicher Zufallstreffer gewesen, sagt Klaus Gogler. Bei einer Floßfahrt über die Werra schwamm dem Herleshäuser ein stattlicher Biber direkt vor die Kameralinse. Dabei galt „Meister Bockert“, wie der Nager im Volksmund genannt wird, einst in ganz Hessen als völlig ausgerottet.

Die Spuren

Hier ein gefällter Baum, dort ein abgenagter Ast – und alle weisen die charakteristischen kräftigen Bissspuren des Nagers auf: Die Indizien für eine Ansiedlung des Bibers an der Werra bei Herleshausen häufen sich. Auch sogenannte Rutschkanäle an der Böschung sind deutlich zu erkennen.

 „Daran kann man ablesen, dass der Biber auch an Land geht“, sagt Klaus Gogler. Mehr als 35 angenagte und gefällte Bäume, die zum Teil einen Umfang von 30 Zentimetern aufweisen, hat der Herleshäuser mittlerweile gezählt.

Die Verbreitung

Die von Gogler fotografisch dokumentierten Spuren des Bibers reichen von Göringen (Thüringen) bis zur Steinmühle bei Wommen. Gegenüber des Geländes des Schäferhundevereins hat auch Helmut Schmidt Bissspuren entdeckt und mit der Kamera festgehalten. „Die Bilder sprechen eine deutliche Sprache“, sagt der frühere Bürgermeister der Gemeinde.

Neu ist die Meldung eines Bibers in der Region nicht, sagt Kreissprecher Jörg Klinge: „Unbekannt ist der uns nicht.“

Die Ausbreitung

Der rein vegetarisch lebende Biber galt in Hessen seit dem 18. Jahrhundert als ausgerottet. Unter Jägern besonders begehrt war zu dieser Zeit das warme, dichte und wasserabweisende Fell. 1987 begann das Land Hessen damit, 18 Biber im hessischen Spessart bei Sinntal anzusiedeln. Ende 2013 wurden erstmals in Kassel wieder Fraßspuren von einem Biber entdeckt; im vergangenen Jahr hat das Regierungspräsidium Darmstadt für ganz Hessen 135 Reviere kartiert.

Weitere Sichtungen in der Werra bei Frieda

Spuren des lange Zeit ausgerotteten Bibers hat auch WR-Leser Helmut Siebert aus Sontra entdeckt. Bereits im Juni des Jahres 2012 habe er das Nagetier in der Nähe des Meinharder Ortsteils Frieda flussaufwärts schwimmen sehen, sagt Siebert. Ein Foto des Tieres sei ihm damals aber nicht gelungen. Aktuell habe er viele angenagte und gefällte Weichhölzer entlang der Werra - unter anderem auch bei Herleshausen - entdecken können. „Das ist der Beweis, dass sich der Biber nach jahrhundertelanger Abwesenheit wieder hier angesiedelt hat“, sagt Siebert erfreut.

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