Eins werden mit der Natur

Alexis Prinz von Hessen betreibt den Ruheforst Werraland

Steht jederzeit als Ansprechpartner zur Verfügung: Alexis Prinz von Hessen (großes Foto). Im Ruheforst Werraland hängt eine Tafel, auf der die wichtigsten Informationen zusammengefasst sowie die Grabstellen eingezeichnet sind. Auch der genaue Ort des Andachtsplatzes (kleines Foto) ist darauf vermerkt. Fotos: Spanel/privat

Herleshausen. Er liegt abseits von vielbefahrenen Straßen und der Hektik des Alltags: der Ruheforst Werraland. Betrieben wird der von Alexis Prinz von Hessen.

Über dem Iberg herrscht das ganze Jahr über friedliche Stille. Eiben, die dem Waldstück nahe Herleshausen schon vor Jahrhunderten ihren Namen gaben, wiegen sich im Wind; das Astwerk von bis zu 140 Jahre alten Buchen und Eschen streckt sich gen Himmel. Außer dem Zwitschern der Vögel ist wenig zu hören. Abseits von vielbefahrenen Straßen, weit weg von der Hektik des Alltags, betreibt Alexis Prinz von Hessen seit März 2012 den Ruheforst Werraland.

Wenig erinnert an diesem Ort an einen klassischen Friedhof: Große, auffällige Grabsteine sucht man vergebens, auch künstlich angelegte Bepflanzungen gibt es nicht. Dafür bedecken im Frühjahr ganze Teppiche aus wilden Maiglöckchen und Krokussen den naturbelassenen Waldboden. Bunte Bänder wehen um einige der Bäume auf dem drei Hektar großen Grundstück: Rund um diese Bäume können Urnen Platz finden.

Bis zu zwölf Urnen

„Wer sich für eine Beisetzung im Wald entscheidet, macht das sehr bewusst“, sagt Alexis Prinz von Hessen, der sich um die Unterhaltung des Ruheforstes kümmert. Schon zu Lebzeiten haben Interessenten die Möglichkeit, sich den Baum - das sogenannte Ruhebiotop - unter dem sie einmal bestattet werden wollen, auszusuchen. Bis zu zwölf Urnen finden unter einem der 270 Biotope Platz.

Kostenlose Führungen 

Der Ruheforst Werraland unterliegt der Friedhofssatzung. Träger ist die Gemeinde Herleshausen. Das Recht auf Nutzung eines Ruhebiotops besteht bis zum Jahr 2110. Die Absicherung der erworbenen Grundrechte erfolgt über einen Eintrag ins Biotopregister. Die Asche des Verstorbenen wird in einer biologisch abbaubaren Urne beigesetzt. Weitere Informationen sowie die Termine für kostenlose Führungen unter www.ruheforst-werraland.de und www.schlossaugustenau.com (esp)

„Die einen wollen einen besonders großen Baum, möglichst eine dicke Eiche“, sagt der 38-Jährige. „Andere suchen etwas Kleines mit möglichst uriger Wuchsform. Oder die Menschen wollen ihrem Baum ganz einfach beim Wachsen zusehen.“ Von Hessen ist im Wald derjenige, der die Trauergesellschaft persönlich am Parkplatz empfängt, die Urne trägt und das Grab verschließt. Mit dem Leid anderer Menschen umzugehen, sei nicht leicht - aber die persönliche Trauerbegleitung gehöre für den überzeugten Christen einfach dazu. Im Ruheforst bestatten lassen könne sich übrigens jeder, völlig unabhängig von Glaubens- oder Konfessionsrichtung. „Während eines Einweihungsgottesdienstes wurde der Ort sowohl vom katholischen als auch evangelischen Herleshäuser Pfarrer gesegnet“, sagt Alexis Prinz von Hessen.

Wichtig sei ihm, dass der Ruheforst seine natürliche Form behalte. Deshalb sei auch jeder Grabschmuck untersagt. Kleine, schwarze Plaketten an den Bäumen zeigen, wo die Menschen bestattet wurden. Auf ihnen sind fein silbern die Namen der Verstorbenen samt Geburts- und Sterbedatum eingraviert - auch religiöse Symbole sind auf Wunsch möglich.

Natürlich werde das Gelände des Ruheforstes regelmäßig, aber moderat aufgeforstet, Totholz beseitigt sowie Äste und Stöcke zur Seite geräumt. „Die Wege sind jederzeit für Angehörige und Gäste gefahrlos passierbar“, sagt der 38-Jährige.

Auch die Jagd sei auf dem Gebiet des Ruheforstes strikt untersagt. „Die Urnen sind so tief in der Erde vergraben, dass Wild sie nicht erreichen kann“, sagt von Hessen.

Von Emily Spanel

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