Gelöscht wurde per Eimer

Ortsteilwehr wird 140 Jahre alt: Festakt am Samstag

Erfolgreiches Führungsteam: (von links) André Popp (stellvertretender Wehrführer), Vereinsvorsitzender André Fehr, Gemeindebrandinspektor Udo Schulz sowie Wehrführer Mario Mißler. Erst im vergangenen Jahr konnten sie 14 neue Mitglieder gewinnen. Foto: Spanel

Herleshausen. Das erste Löschgerät hatte lange auf sich warten lassen. Fünf Jahre, um genau zu sein – dann hielt eine gebrauchte Handdruckspritze Einzug bei der Ortsteilwehr Herleshausen. Liebevoll wurde sie restauriert und von den 113 Aktiven in Schuss gehalten, denn schließlich bedeutete die Spritze im Jahr 1880 vor allem eins: Fortschritt. Denn bis dato wurden Brände gelöscht, indem die Aktiven die gefüllten Wassereimer im Kettensystem per Hand weiterreichten. 140 Jahre ist das nun her, und seitdem hat sich in jeder Hinsicht viel getan.

„Nur der Sport- und der Männergesangverein Herleshausen blicken auf eine längere Historie zurück“, sagt Herleshausens Wehrführer Mario Mißler. Dennoch ist die Geschichte der Ortsteilwehr so reich an Anekdoten und Begebenheiten wie wohl kaum eine andere. Die erste Hilfeleistung, zu der die Aktiven ausrücken mussten, etwa: Sie ist in den Chroniken unter dem Jahr 1938 vermerkt.

Ein Lastwagen, voll beladen mit Kohle, war an der Bahnhofstraße verunglückt. Weil die Helfer an ihre Grenzen stießen, wurde die technische Ausrüstung noch im gleichen Jahr um eine motorisierte Druckspritze erweitert. Und noch bis heute erinnern können sich wohl einige Herleshäuser an die Zeit des Zweiten Weltkrieges: Weil über 70 Feuerwehrmänner eingezogen wurden, übernahmen die Frauen kurzerhand den örtlichen Brandschutz – ganze 18 an der Zahl.

„Nach dem Krieg wurde die Wehr dann völlig neu aufgestellt“, sagt Mißler. 80 Aktive sorgten ab diesem Zeitpunkt für die Sicherheit ihrer Mitbürger. Etwa zur gleichen Zeit sei ein Löschfahrzeug 8 beschafft worden; im Jahr 1976 sei dann das erste Tanklöschfahrzeug hinzugekommen. Auch das Reaktorunglück in Tschernobyl 1981 blieb nicht ohne Folgen für die Herleshäuser: Den Feuerwehrleuten fiel die Aufgabe zu, die Fahrzeuge, welche den nahen Grenzübergang passieren wollten, zu waschen.

„Nach der Öffnung dieser Grenze zahlten die Aktiven das Begrüßungsgeld in der Mehrzweckhalle aus“, sagt Mißler. Neue Freundschaften seien dort entstanden, die bis heute anhielten – etwa die zu Lauchröden und Unterellen.

Sie alle sind am Samstag zum Festakt am Feuerwehrgerätehaus eingeladen. Ausgestellt wird da auch ein ganz besonderes Gerät: die Handdruckspritze, eines der Symbole für den Fortschritt und die Zukunftsfähigkeit der Ortsteilwehr Herleshausen.

Von Emily Spanel

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