Gunter Demnig hat in Herleshausen und Eschwege 38 neue Mahnmale zum Gedenken an NS-Opfer verlegt

Gestolpert wird nur im Kopf

Steine gegen das Vergessen: Über 40 000 Stolpersteine hat der Künstler Gunter Demnig schon gefertigt und verlegt. In Herleshausen, hier vor dem Haus Sackgasse 2, war er erstmals zu Gast. Fotos: Deppe

Herleshausen/Eschwege. Vier feste Schläge mit dem Gummihammer, ein wenig Zement und fest sitzt der Stolperstein. Die Handgriffe sind dem Kölner Künstler Gunter Demnig in Fleisch und Blut übergangen. Kein Wunder: Über 40 000 dieser kleinen Mahnmale hat Demnig bereits verlegt.

Herleshausen war am Montagnachmittag die 899. Ortschaft, in denen er die 19 Steine im Boden versenkte.

Etwa 200 Menschen nahmen an der Gedenkveranstaltung teil, die der Arbeitskreis Stolpersteine anlässlich der Verlegung organisiert hatte. Bürgermeister a.D. und Arbeitskreisvorsitzender Helmut Schmidt begrüßte in seiner kurzen Ansprache unter anderem Bruce Robinson, einen aus Manchester angereisten Urenkel von Berta Wolf. Wolf war während des Nazi-Regimes aus ihrem Haus Am Hainertor zunächst nach Theresienstadt, später in das Vernichtungslager Treblinka deportiert worden. Erst in der vergangenen Woche hatte Schmidt es geschafft, diese Vorfahren ausfindig zu machen.

Vorgestellt wurden die jüdischen Bürger, an die mit den Stolpersteinen erinnert werden soll, von Schülern der Südringgauschule und Vertretern der Jugendgruppe Second Home. Sie hinterließen Kerzen, Fotos und Blumen an den Verlegestellen. Pfarrer Martin Vogel vom Frommannshausen steuerte nicht nur in bekannte israelische Volksweisen („Hevenu Schalom alechem - „Frieden für alle“) bei, er blies auch auf dem Schofarhorn, einem traditionellen israelischen Instrument. „Hier gilt es mit dem Kopf zu Stolpern, sich Gedanken zu machen, damit so was niemals wieder passiert“, sagte Herleshausens Bürgermeister Burkhard Scheld.

Für die Zukunft hofft Helmut Schmidt auf weitere finanzielle Mittel, um auch den übrigen 93 vertriebenen oder ermordeten Juden in Herleshausen und Nesselröden auf diese Weise zu gedenken.

Stolpersteine auch in Eschwege

Was in Herleshausen Premiere war und ein breites Publikum anzog, ist in Eschwege schon bekannt. Auch dort verlegte Demnig am Montagmorgen 19 Stolpersteine. 95 gibt es dort nun insgesamt. Stadtarchivar Dr. Karl Kollmann gab dabei ebenfalls kurze Einblicke in die Biographien der jüdischen Familien, die einst in der Stadt gelebt haben. (lad)

Stolpersteine in Herleshausen verlegt

Kommentare