In der Heimat der Vorfahren

Marilyn Jacuel aus Israel und David Grüneberg aus England auf den Spuren ihrer Ahnen 

Nesselröden. Mit gemischten Gefühlen sind Marilyn Jacuel aus Israel und David Grüneberg aus England in Nesselröden eingetroffen.

Hier, im Herleshäuser Ortsteil, wurde ihre Mutter Marga Fink im Haus an der Badegasse 2 geboren. Hier hat Familie Fink über viele Generationen hinweg gelebt – bis sie sich im Jahr 1935 durch die Flucht aus ihrer geliebten Heimat vor dem Holocaust schützen mussten.

„Das beklemmende Gefühl aber wich schon bei der Begrüßung“, sagt Helmut Schmidt, Vorsitzender des Arbeitskreises Stolpersteine in Herleshausen. Äußerst herzlich wurden die weitgereisten Gäste vom Ehepaar Manfred und Bärbel Junemann, den heutigen Grundstückseigentümern, in Empfang genommen. Eingefunden hatten sich auch Herleshausens Bürgermeister Burkhard Scheld sowie Nesselrödens Ortsvorsteher Lothar Bierschenk. „Pfarrerin Katrin Klöpfel erwies sich als exzellente Dolmetscherin“, sagt Schmidt, „und die Mitglieder des Arbeitskreises Stolpersteine erzählten den Gästen von den Recherchen zur Geschichte der Familie Fink aus der Zeit vor 1935“.

Erinnerungen einer Freundin

Die 97-jährige Martha Löffler, geborene Peter, drückte einst gemeinsam mit Marga Fink die Schulbank. Ihren Erinnerungen ist es zu verdanken, dass Marilyn Jacuel und David Grüneberg nun das Grab ihres Großvaters Isidor besuchen konnten.

„Isidor Fink ist als letzter Jude auf dem Nesselröder Judenfriedhof beigesetzt worden“, erläutert Helmut Schmidt. Martha Löffler beschrieb genau den Platz in der ersten Reihe links, wo noch heute eine eingesunkene Grabfläche zu erkennen ist. „Isidor bekam die Folgen des Aufrufes ,Kauft nicht bei Juden’ sehr bald zu spüren“, weiß Schmidt. Er habe Insolvenz anmelden müssen und danach am Bahnhof Wommen den Freitod gewählt. „Auf seinem Stolperstein ist ,Flucht in den Tod’ zu lesen“, so der Arbeitskreisvorsitzende.

Unterstützung erfuhren die Herleshäuser und ihre Gäste vom Vorsitzenden des Heimatvereins Datterode, Thomas Beck. Ihm gelang es, den Kontakt zu den Familien Jacuel und Grüneberg herzustellen.

„Wir möchten für die Freundlichkeit, den Großmut und die Zeit uns gegenüber auf dieser emotionalen Reise zurück in die Vergangenheit danken“, sagte Marilyn Jacuel. „Es war gut für uns, die Orte zu sehen, an denen unsere Mutter geboren und aufgewachsen ist“, ergänzt ihr Bruder David Grüneberg. Zum Abschluss ihres Besuches in Nesselröden besuchten sie noch einmal den Friedhof, um von den Ahnen Abschied zu nehmen. Dann ging die Reise weiter: Ins Sauerland, auf den Spuren ihres Vaters Kurt Grüneberg. (red/esp)

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