Hessisch-Thüringischer Stammtisch erinnert

Historische Baustelle: A 4-Brückenbau

Den jeweiligen Baufortschritt Anfang der 80er Jahre kann Manfred Kaiser anhand solcher Fotos nachweisen. Er ließ sich vom Fotografierverbot nicht beeindrucken.

Willershausen. Fast schon nahtlos an das letzte Stammtischthema im Dezember, als Planer Manfred Adam über die unendliche Geschichte der A 44 referierte, knüpfte das jetzige Thema im Willershäuser Dorfgemeinschaftshaus an. Manfred Kaiser aus Hörschel hatte schon zuletzt angeregt, vom seinerzeit lange geheim gehaltenen Bau der Autobahnbrücke berichten zu können.

Viele selbstgeschossene Bilder, aber auch Fotografien aus vergangener Zeit und von vergleichbaren Bauwerken hatte Manfred Kaiser zusammengestellt und in Eckhard Grosch einen Unterstützer gefunden, der per Beamer die Brücken- und Autobahngeschichte so lebendig machte.

Tatsächlich kann damit auch dem Mythos oder der Legende widersprochen werden, der Autobahnbau sei eine Erfindung des Dritten Reiches gewesen. Freilich wurde ab 1933 der Autobahnbau forciert, waren auf dem Höhepunkt 1937 rund 6000 Ingenieure und Verwaltungskräfte sowie 250 000 Arbeitskräfte vor Ort beschäftigt, wurden bis 1942 von rund 7000 Kilometer geplanter Autobahn etwa 3800 Kilometer übergeben, fand dies alles aber wegen des kriegerischen Wahnsinns dann ein jähes Ende. Bei der Planung wurde seinerzeit oft die Herausforderung gesucht, um mit der deutschen Ingenieurskunst die Welt zu beeindrucken.

732 Meter lang und 85 Meter hoch wurde die Brücke, deren 12. Pfeiler 55 Meter tief im Erdreich stand. Fotos: privat

Nachdem die noch 1937 geplante, aber wenig spektakuläre Trassenführung der Autobahn über den Ringgau und Creuzburg nicht kam, musste nun die sehr komplizierte Werra-Querung durch die Großbrücke bei Hörschel herhalten. Mit 798 Metern Länge und 89 Meter hoch wäre sie die damals größte Brücke Europas geworden. Seit 1938 in Planung, wurde 1940 mit dem Bau begonnen. Doch 1942 war hier wie an allen anderen Autobahnbaustellen Schluss. Hier in Hörschel wurden die Pfeiler sogar wieder zurückgebaut, um viele Jahre später doch wieder aufzubauen.Am 30. April 1980 wurde eine Vereinbarung zwischen den DDR-Behörden und der BRD über den Ausbau der A 4 zur Verbesserung des Transitverkehrs geschlossen. Diese Vereinbarung war sogar in allen Zeitungen abgedruckt und es war hier zu lesen, dass eine Großbrücke über das Werratal von westdeutschen Firmen gebaut wird. Bis zur Wende 1989 gab es dann nie wieder ein Wort oder gar ein Bild als Meldung, für den gemeinen DDR-Bürger existierte der Brückenbau einfach nicht, obwohl der Bau schon eine Meisterleistung war.

Am 15. Januar 1981 war Baubeginn, im Herbst 1983 war die von Hoch Tief gebaute Brücke fertig. Am 15. Dezember 1984 wurde sie völlig formlos dem Transitverkehr übergeben. Ganz ungetrübt blieb das Leben nicht, nachdem erste Vermessungsarbeiten und Holzeinschlag die Baufreiheit und die Trasse geschaffen hatten. „Wir bemerkten nun ein deutlich höheres Aufgebot von Polizei, Grenzsoldaten und Leuten, die wir hier im Grenzgebiet noch nie gesehen hatten (Stasi). Von staatlicher Seite wurden wir durch Zettel an die Haushalte angewiesen, dass das Betreten und Fotografieren der Baustelle verboten ist“, so Kaiser weiter.

Manfred Kaiser ließ sich davon nicht beeindrucken und ist heute froh, dass sein Mut keine negativen Folgen für ihn hatte. Was er da teils aus großer Entfernung oder aus dem Wohnzimmer (teils bei Nacht) fotografierte, war enorm und bemerkenswert zugleich und heute die beste Grundlage für den wieder mit mehr als 25 Gästen aus den umliegenden Orten gut besuchten Stammtisch. (WR)

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