Die Heimat nie vergessen

Vor 70 Jahren: US-Soldat Neuhaus bewahrt Herleshausen vor Zerstörung

Rettete seine Heimat vor der Zerstörung durch Panzer- und Artilleriefeuer: Kurt Neuhaus, gebürtiger Herleshäuser und amerikanischer Soldat. Foto: Archiv/WTV

Herleshausen. Das Schicksal der Gemeinde Herleshausen hat sich am Ostersonntag des Jahres 1945 durch das Handeln eines einzigen Mannes entschieden: Kurt Neuhaus, Sohn einer ortsansässigen jüdischen Kaufmannsfamilie.

„Als US-Soldat hat er seine Heimat selbstlos vor der Zerstörung durch die amerikanischen Truppen bewahrt“, sagt Helmut Schmidt, Vorsitzender des Werratalvereins, Zweigverein Südringgau. Der Verein ist maßgeblich an der Aufarbeitung der Ortsgeschichte beteiligt.

Kurt Neuhaus

Kurt Neuhaus wurde im Jahr 1913 als vierter Sohn der jüdischen Kaufmannsfamilie in dem Haus Am Anger 4 geboren. Als 24-Jähriger floh er vor den Nationalsozialisten aus Herleshausen nach New York. Bei Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg wurde er als Soldat eingezogen und der Dritten Armee von General George S. Patton unterstellt. 1945 diente Neuhaus als Mitglied des Counter Intelligence Corps (CIC).

Herleshausen 1945

1945 befanden sich noch Mitglieder der deutschen Wehrmacht samt entsprechendem Kriegsgerät in Herleshausen. US-Truppen bereiteten deshalb den Beschuss des Ortes vor. In den Morgenstunden des Ostersonntags rückten die Mitglieder des CIC bis zum Fockenberg in unmittelbarer Nähe der Gemeinde vor.

Die Rettung

Es ist bestätigt, dass sich der gebürtige Herleshäuser Neuhaus bei seinem Kommandanten dafür einsetzte, seinen Heimatort nicht durch Panzer- und Artilleriebeschuss zu zerstören. Beim Einmarsch der US-Truppen in den Ort kam es somit nur zu einzelnen, kurzen Gefechten mit den Mitgliedern der sich zurückziehenden Wehrmacht. Damit blieb Herleshausen das Schicksal der Nachbargemeinden erspart: Diese wurden im Kampf um die Werralinie zerstört.

Aufarbeitung

Der Verdienst Kurt Neuhaus’ um seine Heimatgemeinde blieb lange unentdeckt. Erst 1988 begann die Aufarbeitung der Historie durch Mitglieder des Werratalvereins. Auch mit Kurt Neuhaus selbst wurde Kontakt aufgenommen. In einem Brief schreibt er: „Ich sprach mit Bürgermeister Karl Fehr (...) und hinterließ dort eine Botschaft, die jedem Amerikaner gezeigt werden sollte: Man möge die Herleshäuser in Ruhe lassen und ihnen helfend zur Seite stehen.“

Die Ehrung

Die Gemeinde Herleshausen hat nun zu Ehren von Kurt Neuhaus einen Stolperstein vor seinem Geburtshaus verlegt. Auch eine Ehrentafel erinnert dort an seine Verdienste: „Zum Gedenken an diese beherzte Tat und diesen außergewöhnlichen Menschen, dem Heimat trotz der erlittenen persönlichen Schikanen viel bedeutet hat“, sagt Herleshausens Bürgermeister Burkhard Scheld.

Kurt Neuhaus starb 1996 in New Britain (Connecticut/USA). In seiner Todesanzeige wird ausdrücklich auf seinen Geburtsort verwiesen: „Herleshausen, Nähe Eisenach.“

Von Emily Spanel

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