Jerusalem zum Vorbild

Syrische Familie bezieht Küsterwohnung in Herleshausen und soll Aufgaben übernehmen

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Unterwegs für die Flüchtlingshilfe: (von links) Brigitte Baum, Doris Buchenau, Thomas Lehmann und Martin Vogel von Frommannshausen gehören zur Gruppe „Zuflucht“. Zu ihren Tätigkeiten gehört unter anderem ein täglicher Fahrdienst nach Netra. Dort besuchen die Flüchtlinge aus Herleshausen einen Deutschkurs. 

Herleshausen. Die Hoheit über die Schlüssel zum heiligsten Ort der Christenheit, der Grabeskirche in Jerusalem, liegt in den Händen einer muslimischen Familie – und das schon seit Jahrhunderten. Eine schöne Parallele, findet der Herleshäuser Pfarrer Martin Vogel von Frommannshausen, denn auch in seiner Kirchengemeinde sollen künftig einige Aufgaben eines Küsters auf Mohammad Othmann aus Syrien übertragen werden.

„Erst vor gut zwei Wochen hat Othmann gemeinsam mit seiner Frau und den drei gemeinsamen Kindern die leer stehende Küsterwohnung bezogen“, sagt von Frommannshausen. Küsterin Bärbel Haun war zuvor in eine altersgerechte Wohnung umgezogen. „Nach der Zustimmung des Kirchenvorstandes musste alles rasend schnell gehen“, erinnert sich von Frommannshausen: Lediglich eine Woche Zeit blieb den Ehrenamtlichen der Herleshäuser Flüchtlingshilfe „Zuflucht“, um die Küsterwohnung bis zur Ankunft der Familie wieder bezugsfertig zu machen.

Leben jetzt in der Küsterwohnung in Herleshausen: Mohammad Othmann aus Syrien und seine Familie.

So wurde die Wohnung unter Anleitung des örtlichen Maler- und Lackierermeisters Volker Baum frisch gestrichen und verputzt. Die Möbel- und Hausratsuche übernahm die Herleshäuser Flüchtlingshilfe: „Sogar eine komplett eingerichtete Küche wurde organisiert, angepasst und aufgebaut“, sagt Thomas Lehmann von der Gruppe „Zuflucht“. Matthias Biehl, Leiter des Ordnungsamtes, erstellte zusätzlich eine Liste von Möbelstücken, welche die Herleshäuser gern spenden wollten. „Kommune, Bauhof und Flüchtlingshilfe arbeiteten Hand in Hand, um der syrischen Familie einen guten Start zu ermöglichen“, zeigt sich von Frommannshausen begeistert.

„Mohammad Othmann ist gehörlos“, sagt Brigitte Baum, die als Ansprechpartnerin in Sachen Küsterwohnung fungiert und aktiv in der Flüchtlingshilfe engagiert ist. „Seine Behinderung hat uns zusätzlich motiviert, die Renovierung trotz des eng gesteckten Zeitrahmens zu stemmen.“

Was die künftigen Aufgaben für die Familie Othmann, deren Angehörige bereits seit einiger Zeit in der Gemeinschaftsunterkunft in Herleshausen leben, betrifft, gebe es keine Berührungsängste, sagt von Frommannshausen. So könne er sich vorstellen, dass Mohammad Othmann etwa das Öffnen und Schließen der Kirche übernehme. „Auch er selbst ist überglücklich“, sagt der Herleshäuser Pfarrer – „und eine bessere Voraussetzung für eine gelungene Integration der Familie kann es kaum geben.“

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