Ort der stillen Einkehr

Serie höchste Orte (11): Das Kielforstkreuz hoch über Herleshausen

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Herleshausen zu Füßen: Am Kielforstkreuz lassen Wanderer den Alltag hinter sich. Der Blick schweift und bleibt an den markanten Punkten des Ortes, wie etwa der Burgkirche, hängen. 

Herleshausen. Majestätisch thront das Gipfelkreuz hoch über der Gemeinde Herleshausen. Wind und Wetter scheinen den mächtigen dunklen Balken nichts anhaben zu können; erhaben trotzen sie jedweden Bedingungen der Jahreszeiten. Wanderer, die den gut 446 Meter hohen Kielforst erklommen haben, können sich der Magie dieses Kreuzes, das zu einer Rast einlädt, kaum entziehen.

Und lassen sie sich auf den umstehenden Bänken nieder, liegt ihnen die Gemeinde Herleshausen zu Füßen. Beinah automatisch findet der Blick die Burgkirche, deren Spitze aus der Masse der malerischen Fachwerkhäuser herausragt. Er wandert weiter, sucht Schloss Augustenau und bleibt einige Meter weiter an den Gleisen hinter dem Bahnhofsgebäude hängen: Hier fährt gerade ein Zug aus. Wie an einer Schnur aufgereiht ziehen die Waggons nun an den Werraauen vorbei. Apropos Werra: Die Schleifen und Mäander des Flusses sind von der erhöhten Position aus besonders gut auszumachen; ebenso wie die dunkelgrün belaubten Bäume der Lauchröder Allee.

Sogar ein Stück Autobahn ist, nahezu ganz verdeckt von den Wipfeln des Kielforstes, zu erkennen. Vom Lärm der vorbeidonnernden Fahrzeuge aber sind die Wanderer rund um das Kielforstkreuz geschützt; lediglich das beständige Rauschen der Bäume ist zu hören.

Idee des Männertreffs

„Die Idee, genau an dieser Stelle ein Gipfelkreuz zu errichten, stammt von den Mitgliedern des Männertreffs der Kirchengemeinde Herleshausen“, sagt Bürgermeister Burkhard Scheld. Pünktlich und sehr symbolträchtig zum Tag der Deutschen Einheit, am 3. Oktober 2012, sei das Kreuz mit einem ökumenischen Gottesdienst feierlich eingeweiht worden. Über 200 Menschen nahmen damals an der Aktion teil.

Das Bauwerk solle zugleich ein stetes Mahnmal sein, ergänzt Pfarrer Dr. Manfred Gerland, „und an die schmerzlichen Erfahrungen der Trennungen erinnern, die viele Menschen an der ehemaligen innerdeutschen Grenze erlebt haben“. Ermahnen soll es den Wanderer auch dazu, Tod und Trennung keine Macht zu geben.

Heute hat das eicherne Gipfelkreuz nichts von seiner Anziehungskraft verloren. Ist der Weg hinauf auch mit körperlicher Anstrengung verbunden, schafft der Marsch doch Abstand zum Alltag – unten.

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