Kirmes im Zeichen des Oscars

Herleshausen feiert mit Kirmesumzug den Academy-Award

Walk of Fame: Von einem Stern auf dem Hollywood-Boulevard träumt jeder Künstler. In Herleshausen sind es die Mitarbeiterinnen der Diakonie, die sich durch ihre engagierte Arbeit ein Ehrenzeichen verdienen. Fotos: Weber

Herleshausen. Jedes Jahr im Februar gibt es eine Nacht, die länger ist als andere. Dann nämlich, wenn in Los Angeles die Academy Awards verliehen werden, die Oscars. Denn so heißt der kleine Goldmann, dessen Wert sich nicht aus seinem Material berechnet, sondern aus seiner Bedeutung. Wer einen Oscar gewinnt, der hat es geschafft in Hollywood.

Besonderen Grund zum Jubel gab es am 23. Februar dieses Jahres in Herleshausen. Eine der begehrten Trophäen ging vor den Augen der Welt nicht nur nach Deutschland - nein, sie ging sogar in den Werra-Meißner-Kreis. Nun ja. Jedenfalls gewann Dirk Wilutzky den Oscar - und er stammt gebürtig aus Herleshausen. Die Trophäe erhielt er als Produzent des Dokumentarfilms „Citizenfour“, der sich mit Edward Snowden Beschäftigt. Als sogenannter Whistleblower legte Snowden geheime Dokumente der NSA offen. Ein heißes Eisen also, das die Filmer anfassten.

Ihrer Freude über diesen Sieg widmeten die Herleshäuser Vereine ihre Kirmes. Und so schien auch im Sommer noch einmal etwas Glanz von Hollywood ins Werratal. Denn was liegt näher, als den Rummel der Traumfabrik im Festumzug fantasievoll zu verarbeiten. So hatte der Werratalverein den Goldjungen gleich Leibhaftig mitgebracht, in Lebensgröße. Und anstelle nur sein Schwert zu halten, grüßte Oscar hier sogar ins Publikum am Straßenrand.

Die golden Himbeere gibt es hingegen traditionell als Preis für die schlechteste Leistung. Diese widmeten die Vereinsmitglieder der schlechtesten Ausrede unserer Tage: „Keine Zeit!“ Alle Zeit der Welt hingegen hatte ein anderer Oscar. Jener grüne Geselle, der in einer Mülltonne wohnt. Denn was gibt es in einer Mülltonne schon groß zu tun? Und er hatte auch gleich noch seine Gefährten aus der Sesamstraße mitgebracht. Tiffy etwa ganz in Pink und und Ernie im gestreiften Pullover. Die Frauen der Damengymnastik des TSV schlugen den Bogen von Hollywood nach Bollywood. In Indien wird sozusagen der Gegenentwurf zum amerikanischen Film produziert. Immer, wenn es in diesen Streifen dramatisch wird, wird dort, vorzugsweise im prächtigen Sari, zu poppigen Bombay-Rhythmen gesungen und getanzt. Und wie steht es mit dem Nachwuchs in Hollywood? Ist er bereit für den Gang über den roten Teppich? In Herleshausen grüßte die Jugend lieber gemütlich vom Wagen aus. Die Volleyballerinnen hatten sich dazu die Men in Black mitgebracht und die Besucher des Jugendraums kurzerhand gleich ihre Couch.

Heute gibt es ab 11.30 Uhr noch einmal Musik zum Frühschoppen im Festzelt. Morgen endet die Kirmes. Und wie der Showdown am Ende eines guten Films steht, gibt es auch in Herleshausen noch ein letztes Spektakel. Anstelle eines Effektefeuerwerks wird am Anger eine Strohpuppe verbrannt.

Von Kristin Weber

Festumzug bei der Kirmes in Herleshausen

Festumzug bei der Kirmes in Herleshausen

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