Herleshausen muss sich für den Windpark zwischen zwei Anbietern entscheiden

Eon Mitte oder die SUN?

Entscheidung zwischen Pest und Cholera: Herleshausen würde von einem Windpark klar finanziell profitieren. Anlieger kritisieren den sorglosen Umgang mit der Natur: Sie wollen den Rotmilan schützen und den Standort als Naherholung erhalten. Foto: Agentur

Herleshausen. Zwei Energieanbieter haben am Dienstagabend im Herleshäuser Parlament um die Gunst der Gemeindevertreter gebuhlt. Bis 2015 soll nördlich von Willershausen und Archfeld der Windpark Herleshausen entstehen. Kritiker mahnen die Gefahr für Mensch und Vogelwelt an.

Die Krux an der Sache: Die Windräder sind ab 2016 mit einer jährlichen Pachteinnahme in Höhe von 49 000 Euro in den Schuldenabbaupfad des kommunalen Schutzschirms eingerechnet. „Wir werden eines der beiden Angebote unterschreiben müssen, und zwar bald“, sagt Bürgermeister Burkhard Scheld.

Die beiden Angebote unterscheiden sich indes in einem wichtigen Punkt fundamental: Eon Mitte plant mit vier Windrädern, die Stadtwerke-Union Nordhessen (SUN) würde sieben Anlagen installieren. Geplant hatte die Gemeinde mit sechs Anlagen. „Ich hoffe, dass sich bei der Planung keiner vertan hat. Daran wird die Gesellschaft, die den Windpark später betreiben soll, gemessen“, spricht der Gemeindechef aus, was wohl mancher Parlamentarier am Dienstagabend dachte.

Der Windpark stünde auf vielen kleinen Einzelparzellen. Betroffen wären mit der Gemeinde selbst rund 60 Eigentümer. Eon Mitte und SUN gehen jedoch von einem unterschiedlich großen Suchraum aus. Letzterer hat sogar so eng geplant, dass das eine oder andere Windrad über den erlaubten Korridor hinausragen könnte. Eon betreibt in Herleshausen bereits das Strom-, Gas- und Wassernetz.

Beide streben die Gründung einer Betreibergesellschaft mit Sitz in Herleshausen an, an der sich auch Bürger und andere Kommunen oder Verbände finanziell beteiligen können. Und beide müssen weitere Gutachten - vor allem über das Brutverhalten des Rotmilans - abwarten.

Während Eon Mitte mit langjähriger Erfahrung und einem Gesamtpaket samt Risikenübernahme punktet, bietet der regionale Anbieter SUN eine verstärkt lokale Vernetzung sowie eine Höchstgrenze an Kosten und damit eine gewisse Sicherheit. Beide würden im Auftrag der Gemeinde die Projektplanung und -umsetzung übernehmen.

Die Investition schwankt in beiden Fällen zwischen drei und vier Millionen. Die Betreibergesellschaft, die den Windpark später übernehmen soll, müsste ein Startkapital von 20 Prozent aufbringen. Der gewonnene Strom könnte über ein neu zu bauendes Umspannwerk bei Lauchröden ins dortige Netz eingespeist werden.

Nach den Vorträgen beschlossen die Gemeindevertreter einstimmig, dass auch Bürger im Parlament zum Thema Windkraft zu Wort kommen dürfen. Oliver Radel aus Willershausen, der im Falle einer Umsetzung des Windparks rund 800 Meter nah an einer Anlage wohnen würde, mahnte die Politiker an, auch die Kehrseite des finanziellen Gewinns zu sehen: die Beeinträchtigung von Mensch und Natur. Es sei ein schützenswertes Naherholungsgebiet, das mit dem Windpark zerstört würde. Die Entscheidung soll in der nächsten Sitzung am Dienstag, 14. Mai, 19.30 Uhr, vermutlich in Willershausen, fallen.

Von Stefanie Müller

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