Nelken zum Gedenken

Gefallene Soldaten an sowjetischer Kriegsgräberstätte geehrt

Die Erinnerungen an die Ahnen wach halten: Zum russischen Nationalfeiertag säubern Marina Fedotova und ihre Tochter Antonija aus Creuzburg eine Grabplatte in der 38. Reihe der sowjetischen Kriegsgräberstätte Herleshausen. Foto: Schmidt

Herleshausen. Den wohl weitesten Weg hat Alexandra Afanasjewna Kusmina auf sich genommen.

3381 Kilometer Luftlinie liegen zwischen ihrem Wohnort Tscheljabinsk in Russland und Herleshausen. Und gefunden hat die 74-Jährige auf ihrer langen Reise viel mehr als die sowjetische Kriegsgräberstätte der Gemeinde: Nach 72 Jahren steht sie hier zum ersten Mal am Grab ihres Vaters und kann Abschied nehmen.

„Zu erwarten war es in dieser Form nicht“, sagt Helmut Schmidt, ehemaliger Bürgermeister der Gemeinde. „Doch zum 71. Jahrestag des Kriegsendes war der Friedhof einmal mehr Ziel zahlreicher Besucher und Gruppen.“ Aus Hamburg und Hessisch Lichtenau, aus Kassel, Korbach, Eisenach und Creuzburg waren die Angehörigen der im Zweiten Weltkrieg gefallenen russischen Soldaten nach Herleshausen geströmt.

Bewegende Schicksale

Menschliche Schicksale wie das Alexandra Kusminas sind hier nicht selten; die sorgsam beschrifteten Grabplatten quellen noch Tage später über vor dicken Sträußen roter Nelken, Blumengestecken und Schleifen. Auch die Schüler der Herleshäuser Südringgauschule haben sich beteiligt und die Gräber geschmückt.

Kleine Schnapsgläser auf den bronzenen Platten zeugen von dem traditionell russisch-orthodoxen Brauch eines kleinen Picknicks. „Dabei wird das Mitgebrachte geteilt, und die Angehörigen ließen auch den ein oder anderen Soldaten am Mahl teilhaben“, erklärt Schmidt.

Zu Anlässen wie diesen, so der Vorsitzende des Werratalvereins Zweigverein Südringgau weiter, zeige sich erneut, wie hoch die Zivilcourage des damaligen Bürgermeisters von Herleshausen Karl Fehr einzuschätzen sei. „Er sorgte dafür, dass die sowjetischen Kriegsgefangenen, die im Ersatz-Lazarett Herleshausen gestorben waren, ordnungsgemäß registriert und würdig bestattet wurden“, sagt Schmidt. Die Erinnerungen an das Leid seiner eigenen Mutter hätten Fehr die Kraft gegeben, sich gegen die Anordnungen des NS-Regimes zu stellen.

Von Emily Spanel

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