„Ort lernt aus Geschichte“

Aktionskreis organisiert Verlegung von 15 Stolpersteinen

Herleshausen. Die frisch aufpolierte Oberfläche aus Messing glänzt in den Strahlen der Oktobersonne. Rund 70 Menschen verneigen sich an diesem Montagnachmittag tief vor der Platte am Wohnhaus Am Anger 4 in Herleshausen, um deren Inschrift entziffern zu können: „Hier wohnte Dr. Fritz Neuhaus“, ist dort in großen Lettern zu lesen, „Jahrgang 1895, Flucht 1939 in die USA“.

Dieser sowie 14 weitere Stolpersteine an insgesamt vier Standorten erinnern ab sofort an ehemalige jüdische Bewohner Herleshausens. Sie alle sind Opfer des nationalsozialistischen Regimes geworden.

13 Gäste aus den USA: Bürgermeister Burkhard Scheld, Helmut Schmidt, Vorsitzender des Arbeitskreises Stolpersteine (hintere Reihe, Mitte) und Kreistagsvorsitzender Dieter Franz begrüßten weitgereiste Enkel, Urenkel und Ur-Urenkel der Geehrten. Fotos: Spanel

Erstmals nehmen 13 Gäste aus den USA an einer Steinverlegung in Herleshausen teil. „Alles Enkel, Urenkel und sogar Ur-Urenkel der Geehrten“, sagt Helmut Schmidt, Vorsitzender des Arbeitskreises Stolpersteine im Werratalverein-Zweigverein Südringgau. Wie Bürgermeister Burkhard Scheld wird er seine Grußworte mit einer Kopfbedeckung sprechen – aus Respekt vor den NS-Opfern. Jedes noch so kleine Detail hat Schmidt gemeinsam mit den Mitgliedern des Arbeitskreises vorbereitet, um den Tag im Zeichen des Gedenkens und Innehaltens gelingen zu lassen.

Verzichten müssen die Herleshäuser an diesem Tag auf Aktionskünstler und Stolperstein-Initiator Gunther Demnig, der terminlich verhindert ist. Dafür machen unter anderem der Kreistagsvorsitzende Dieter Franz und Dirk Wilutzky, Oscar-gekrönter Filmproduzent aus Herleshausen, ihre Aufwartung. Extra aus Paris sei er für diesen Termin angereist, sagt Wilutzky, trotz „vollem Terminkalender“. Gemeinsam mit den Gästen lauschte er der Rede des Bürgermeisters: „Herleshausen kennt seine Geschichte“, sagt Scheld, „es hat aus seiner Geschichte gelernt und wird mit seiner Geschichte leben.“ Unter Beweis stellt das die nachwachsende Generation: Die Jugendlichen des „Second Home“ übernehmen die Bestückung der Stolpersteine mit Blumen und Kerzen.

•  Erinnert wird an folgende jüdische Bürger Herleshausens: Joseph Neuhaus, Fritz Neuhaus, Manfred Neuhaus, Arthur Neuhaus und Kurt Neuhaus (alle am Haus Am Anger 4). Vier weitere Steine erinnern ab sofort an die Familie von Isidor und Marianne Müller (Gartenstraße 8). Zu Ehren der Familie Abraham und Betty Bachrach befinden sich nun Stolpersteine an der Gartenstraße 19. An die Eheleute Jakob und Ester Katz (Bahnhofstraße 25) wird ebenfalls mit eigenen Stolpersteinen erinnert.

Von Emily Spanel

15 Stolpersteine in Herleshausen verlegt

15 Stolpersteine in Herleshausen verlegt

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