Mit Respekt zum Sieg

Die 15-jährige Tamara Lotz ist Deutsche Meisterin im Karate

Mit Siegerpokal und Goldmedaille: Tamara Lotz ist Deutsche Meisterin im Karate. Die Herleshäuserin trägt auf ihren Karate-Gi nun den aufgedruckten Bundesadler – eine Ehre, die ausschließlich den in den Bundeskader berufenen Kämpfern vorbehalten ist. Foto: Spanel

Herleshausen. Ihr größter Triumph kommt völlig überraschend. Tamara Lotz hat bereits seit einigen Wochen mit überdehnten Bändern an Daumen und Fuß zu kämpfen, als sie Mitte Juni bei den Deutschen Meisterschaften der Karatekämpfer in Erfurt antritt. „Diese Verletzungen konnte ich natürlich nicht ignorieren“, sagt die 15-Jährige, „und trotzdem bin ich an den Start gegangen, um mein Bestes zu geben.“

Runde um Runde beweist die Herleshäuserin nun Können, Kondition und Siegeswillen, kämpft sich immer weiter vor und erreicht schließlich das Finale. Mit vier zu null Punkten bezwingt sie die Landesmeisterin aus Rheinland-Pfalz souverän – und trägt ab sofort den Titel Deutsche Karate-Meisterin. „Ein überwältigendes Gefühl“, sagt Tamara Lotz. Mit ihrem Sieg bestätigt sie ihre Nominierung für die Karate-Europameisterschaft in Sofia (Bulgarien) im Februar. Zudem wird sie in den Bundeskader berufen. „Jetzt trete ich mit dem Bundesadler auf meinem Karate-Gi an“, sagt die 15-Jährige stolz.

Eltern fördern Talent 

Seit nunmehr neun Jahren widmet die Herleshäuserin jede freie Minute der Kampfkunst. „Mir gefällt, dass Karateka äußerst respektvoll miteinander umgehen“, sagt die Herleshäuserin. „Schläge unterhalb der Gürtellinie gibt es nicht, und nach einem Kampf wird jedem Gegner ausdrücklich Anerkennung gezollt.“

Diese Haltung imponiert auch Mutter Olena Lotz, die ihre damals sechsjährige Tochter an den Sport herangeführt hat. „Tamara sollte sich, wenn nötig, verteidigen können“, erklärt Lotz. Als Tamaras außergewöhnliches Talent nach den ersten Übungseinheiten entdeckt wird, fördern die Eltern sie beständig: Vater Dietmar Lotz etwa begleitet seine Tochter bis heute häufig zu Wettkämpfen in ganz Europa, und Schwester Irina drückt bei jedem Kampf fest die Daumen. „Ohne diese Unterstützung wäre mein Programm sicher nicht zu stemmen“, sagt Tamara Lotz.

Die 15-Jährige besucht ein Gymnasium in Eisenach und trainiert unter Klaus Bitsch im Bundesleistungszentrum für Karate in Waltershausen (Landkreis Gotha). Zeitweise absolviert sie vier Trainingseinheiten pro Woche; vor der Europameisterschaft sogar noch etwas mehr. „Viel Zeit für Freizeitbeschäftigungen bleibt da nicht“, sagt Tamara Lotz, die zweisprachig aufgewachsen ist, mit einem Lächeln. Schlimm sei das aber nicht – schließlich habe sie neben ihren Schulfreunden einen großen Bekanntenkreis innerhalb der Karate-Gemeinschaft. „Etwas Besseres kann mir gar nicht passieren.“

Hintergrund: Trainiert wird barfuß

Karate (aus dem Japanischen abgeleitet für „Leere Hand“) ist eine Form der Kampfkunst. Bestandteil selbiger sind in erster Linie Schlag-, Stoß-, Tritt- und Blocktechniken sowie Fußfegetechniken. Hinzu kommen Hebel und Würfe; im fortgeschrittenen Stadium des Trainings werden auch Würgegriffe und Nervenpunkttechniken geübt. Ein großer Wert wird auf die körperliche Kondition gelegt, die insbesondere Beweglichkeit, Schnellkraft und Belastbarkeit zum Ziel hat.

Jeder Karateka trägt einen Karate-Gi, bestehend aus einer an der Hüfte geschnürten weißen Hose (Zubon) aus Baumwolle sowie einer Jacke, Uwagi genannt, aus dem gleichen Material. Gehalten wird die Jacke (meist neben einer leichten Schnürung) durch einen gefärbten Gürtel, den Obi. Bei der Kampfkunst Karate wird grundsätzlich ohne Schuhe, also barfuß, trainiert.

Von Emily Spanel 

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