Schicksalsschlag für Emily

Dreijährige Emily wird durch schwere Krankheit aus gewohntem Leben gerissen

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Aufgeweckt und kess: Emily vor der Einlieferung ins Klinikum im Sommer 2015. Weil ihr ein Pflaster auf dem Knie nicht gefiel, klebte sie es sich kurzerhand auf den Mund – verziert mit einem lächelnden Smiley. Der Schnappschuss hat Einzug in das Familienalbum der Reuters gefunden.

Eisenach/Herleshausen. Die dreijährige Emily aus Eisenach (Wartburgkreis) muss plötzlich mit einer schweren Krankheit leben. Der Schicksalsschlag belastet ihrer Familie schwer. Mutter Silke (24) und ihr Partner Marcel (26) sind auf der Suche nach einer barrierefreien Wohnung. Die möchten sie in der Gemeinde Herleshausen finden.

Und plötzlich ist nichts mehr, wie es einmal war: Emily wächst als aufgewecktes, fröhliches Kind heran, das es liebt, mit seinen Geschwistern, der fünfjährigen Nele und dem siebenjährigen Ben, zu spielen. Im Sommer des Jahres 2015 aber ändert sich ihr Leben und das ihrer Familie dramatisch.

Im August klagt das Mädchen plötzlich über starke Bauchschmerzen. Die Ärzte können zunächst nichts Außergewöhnliches feststellen und verordnen ein speziell auf die Bedürfnisse von Kindern abgestimmtes Abführmedikament. Weitere Untersuchungen, unter anderem im Klinikum Jena, folgen, als die Beschwerden einfach nicht abklingen. „Der Verdacht auf die Krankheit Morbus Hirschsprung erhärtete sich schließlich“, sagt Mutter Silke Reuter. Für die erst Zweijährige ist die Diagnose der Beginn einer wahren Krankenhaus-Odyssee.

Künstliches Koma

Emily heute: Das Mädchen kann nicht selbstständig essen, nicht laufen und nicht sprechen. Insgesamt 22 mal am Tag und in der Nacht bekommt Emily Medikamente

„Bei der ersten Operation wurde ein Teil von Emilys Enddarm entfernt“, sagt Mutter Silke. Es sei der 13. August gewesen, und daran erinnere sie sich noch ganz genau, als plötzlich Flüssigkeit im Bauch ihrer Tochter entdeckt wird. Sofort kommt Emily auf die Intensivstation; ihr Zustand ist mittlerweile lebensbedrohlich. Das Mädchen erleidet eine Blutvergiftung und muss ins künstliche Koma versetzt werden. Die Situation wird immer dramatischer: Die Zweijährige bekommt einen septischen Schock, ihr Herz-Kreislauf-System kollabiert. „Mehr als zehn Minuten lang musste sie reanimiert werden“, sagt Silke Reuter. Sechs Wochen Koma und unzählige weitere Operationen folgen; kein Arzt kann der Familie zu diesem Zeitpunkt sagen, ob ihre Emily überleben wird.

Zehen amputiert

Das Wunder geschieht, und Emily schafft es. Doch nun wird ihrer Familie die Situation schmerzhaft bewusst: Das Mädchen hat bleibende Hirnschäden erlitten. Ernährt werden muss sie durch eine Magensonde; sogar das selbstständige Schlucken von Speichel bereitet ihr Probleme. Ein Teil ihrer Haut ist abgestorben, was eine Eigenhauttransplantation im Klinikum Kassel nach sich gezogen hat.

„Weil sich im Gehirn Wasser fand, musste zudem ein Ventil eingesetzt werden“, sagt Silke Reuter, und wegen Durchblutungsstörungen mussten der heute Dreijährigen die Zehen des linken Fußes amputiert werden.

Wohnung dringend gesucht

Derzeit leben Emily, Stiefbruder Ben, Mutter Silke Reuter und ihr Partner Marcel Martin in einer nur 55 Quadratmeter großen Wohnung im vierten Stock in Eisenach. Die beengte Wohnsituation macht der Familie schwer zu schaffen. Doch ein Umzug gestaltet sich schwierig – der Wohnraum in der thüringischen Stadt Eisenach ist einfach zu knapp.

Deshalb erwägt die Familie einen Umzug in die Gemeinde Herleshausen. Dort hat sie nicht nur tatkräftige Hilfe von Freunden, sondern bereits einige Objekte besichtigt. „Ideal“, sagt Silke Reuter, „wären zwei Zimmer für Emily.“ Eines, so der Wunsch der 24-Jährigen, könne als eine Art Therapieraum für ihre Tochter genutzt werden. „In den Kliniken begonnene Rehabilitations-Behandlungen könnten so fortgesetzt werden“, sagt Silke Reuter.

Es fehlt am Nötigsten

Emilys Familie hat Bedarf in zig Belangen: Über eine barrierefreie Wohnung bis hin zu medizinisch-therapeutischem Gerät und einem rollstuhlgerechten Auto. Wer helfen kann und will, kann sich bei Silke Reuter unter Telefon 0176/43 67 53 40 oder bei Marcel Martin unter Telefon 0176/ 43 67 53 41 melden. (esp)

Ziel sei es, Emily „so weit es möglich ist“ zurück in die Selbstständigkeit zu helfen. Der Umzug, so Silke Reuter, würde ihr drängendstes Problem lösen. Denn die Familie brauche Kraft für anstehende Kämpfe mit Versicherungen, Ämtern und Behörden. Eventuell steht ein Gerichtsverfahren an, bei dem die Schuldfrage für Emilys Schicksal geklärt werden soll. Auch die Krankenkasse sei gefordert, sagt die 24-Jährige. Denn eine Pflegestufe habe ihre Tochter noch immer nicht erhalten; auch Pflegegeld fließt nicht. „Dabei benötigt Emily dringend ein spezielles Bett, medizinische Hilfsmittel – und wir ein rollstuhlgerechtes Auto, um sie transportieren zu können“, so Reuter.

Von Emily Spanel 

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