Gunter Demnig: 24 Stolpersteine für Nesselröden

Gegen das Vergessen der Opfer des NS-Terrors: Gunter Demnig verlegte jetzt in Nesselröden 24 Stolpersteine. Foto: Konopka

Nesselröden. 48.000 Stolpersteine hat Gunter Demnig schon verlegt. Jetzt war Nesselröden an der Reihe. Weitere 24 Mahnmale setzte der Künstler hinzu.

NESSELRÖDEN. Gunter Demnig ist weit gereist seit 1996. In 18 europäischen Ländern, davon an 981 Orten in Deutschland, hat er inzwischen rund 48 000 Stolpersteine als Kunstwerke zur Erinnerung an die Opfer des Nazi-Terrors verlegt. Sein rechtes Knie ist gepolstert wie bei einem Eishockeyspieler, wenn es auf Asphalt seine körperlich harte Arbeit abstützt. Da kommt das Publikum schon vom Zuschauen ins Schwitzen. Seine Lebensgefährtin Katja Wagner begleitete ihn jetzt nach Nesselröden, als er sich dort auf Einladung des Arbeitskreises „Stolpersteine Herleshausen - Nesselröden im Werratalverein, Zweigverein Südringgau“, an die Arbeit machte. 24 Stolpersteine hatten sie im Gepäck.

Biografien vor jedem Haus

Andreas Aßmann blies zur Begrüßung aller Erinnerungsarbeiter „Schalom chaverim“ auf seiner Trompete. „Dankbar ist der Arbeitskreis, dass Landrat Stefan Reuß seine Teilnahme an der Gedenkveranstaltung zugesagt hat und dass mit Thomas Riehl, einem ehemaligen Opernsänger am Landestheater Eisenach, eine Stimme gefunden wurde, um die Veranstaltung mit passenden jiddischen Liedern zu umrahmen“, sagte Helmut Schmidt, Vorsitzender des Arbeitskreises. So wurde in würdevollem Rahmen an die Opfer des Holocausts gedacht. Vor jedem Haus wurden bei der Verlegung der Steine die Biografien der ehemaligen Bewohner vorgelesen. Auf den Steinen an der Badegasse 2 stehen die Namen von Caroline Fink, Isidor Fink, Bertha Fink, Sitti Fink und Marga Fink. Helmut Schmidt über einen Schüler, der sich treffend über Stolpersteine äußerte: „Man fällt ja nicht hin, man stolpert mit dem Kopf und mit dem Herzen.“ Bürgermeister Burkhard Scheld erinnerte an die ersten Stolpersteine in Herleshausen: „Die hier in Nesselröden werden sicher nicht die letzten sein.“ Helmut Schmidt arbeite die Historie sehr intensiv aus.

Die Finanzierung von elf der jetzt verlegten 24 Steine ist durch Übernahme von Patenschaften gesichert. Mit der Patenschaft werden die Kosten für den Stolperstein (120 Euro) übernommen, weitere Verpflichtungen ergeben sich daraus für den Spender nicht. Die restlichen 13 Steine können aus zweckgebundenen Spenden für Stolpersteine in Nesselröden (285 Euro) und weiteren Mitteln aus dem Spendenkonto finanziert werden. Die Spendenkonten vom WTV-Zweigverein Südringgau e.V. sind eingerichtet bei der Sparkasse Werra-Meißner-Kreis, Eschwege: DE45 5225 0030 0002 0250 96, BIC: HELADEF1ESW und der Volks- und Raiffeisenbank Eisenach e.G., Herleshausen, DE23 8206 4088 0000 0224 70, BIC: GENODEF1ESA. Esh werden noch Spenden für Patenschaften in Nesselröden entgegen genommen. Helmut Schmidt wird Interessenten gerne beraten (Telefon 05654/1010).

Gunter Demnig verlegt 24 Stolpersteine in Nesselröden

Vor den Steinen am Haus Badegasse 2 sangen Thomas Riehl, Pfarrer Martin von Frommannshausen und Helmut Schmidt noch stimmgewaltig „Schalom“, bevor es zum nächsten Verlege-Ort weiterging. Gunter Demnig kniete dort schon nieder.

Kommentare