Auf dem russischen Soldatenfriedhof in Herleshausen wurde Gedenkstein enthüllt

Tafel mit 38 Opfernamen

Soldatenfriedhof: Schüler der Südringgauschule legten Nelken an dem Gedenkstein nieder. Er trägt die Namen von 38 russischen Zwangsarbeitern, die 1941/42 umkamen und deren Begräbnisliste erst jetzt aufgetaucht ist. Fotos: Mayer

Herleshausen. Gestern hat Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke auf dem russischen Soldatenfriedhof in Herleshausen einen Gedenkstein enthüllt. Auf dem stehen die Namen von 38 Männern, die als sowjetische Kriegsgefangene in einem Lager bei Frauenborn im Zeitraum von Oktober 1941 bis Oktober 1942 ums Leben kamen. Zwar war ihr Tod ordnungsgemäß registriert und sie auch begraben, oder richtiger verscharrt worden, aber danach erschienen sie nicht in der amtlichen Gräberliste und gerieten in Vergessenheit.

Dank der Unterstützung der Stiftung Sächsischer Gedenkstätten und der Gedenkstätte Trutzhain ist es gelungen, binnen kürzester Zeit eine digitale Version der 38 Kriegsgefangenenkarteikarten zu bekommen, die den Tod der Soldaten in Herleshausen eindeutig belegen. Das erklärte gestern Herleshausens Ex-Bürgermeister Helmut Schmidt, der sich federführend seit Jahren um die Gedenkstätte kümmert. Aus den Nachforschungen geht hervor, dass zum Beispiel die Russen Pjotr F. Woronzow, Dimitrij I. Shurba und Pjotr E. Morosow als Zwangsarbeiter an der Autobahn bei Herleshausen im Oktober 1941 ums Leben gekommen sind. Die meisten von ihnen kamen aus Aserbeidschan, Russland und Ukraine. Es handelt sich wie bei anderen nicht um herkömmliche Gräber, es sind in der Regel flache Tafeln mit mehreren Namen, vielmehr stellt die namentliche Nennung und damit Erinnerung an die Toten die symbolische Grabstätte dar, wie Schmidts Nachfolger Burkhard Scheldt und Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke betonten.

Damit werde Geschichte aufgearbeitet und die Denkmale der Opfer seien Mahnung zur Verständigung. „Das Grauen bekommt ein Gesicht und die Erinnerung wird wachgehalten“, sagte der Regierungspräsident, der besonders den anwesenden Schülern für ihre Beteiligung dankte. Diese legten unter Nennung des jeweiligen Namens 38 rote Nelken an dem Stein nieder.

Ein russisches Lied wurde gesungen und die Pfarrer Joachim Hartel (Sontra), Friedemann Rahn (Nesselröden) und Ernst Phieler (Lauchröden) beteiligten sich an der Gedenkveranstaltung. Dabei waren auch Landrat Stefan Reuß, MdL Dieter Franz, Vertreter der Botschaft der russischen Föderation und des VdK. Besonderer Gast war eine ältere Dame aus Nowosibirsk, die als Tante das Grab ihres Neffen in Herleshausen gefunden hat und sich dafür in bewegenden Worten bedankte. (hm)

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