Vereine prägen den Ort

Kleinste Ortsteile: Im 64-Seelen-Dorf Markershausen funktioniert die Gemeinschaft

Markershausen. Um ein Haar hätte Frauenborn das Rennen um den kleinsten Ortsteil der Gemeinde Herleshausen gemacht. Doch weil das Dorf weder einen eigenen Ortsbeirat besitzt noch sich selbstständig verwaltet, kommt ein anderer, mitten im Grünen gelegener 64-Seelen-Ort ins Spiel: Markershausen. Und geht es nach dessen Bewohnern, ist Markershausen nicht nur der kleinste, sondern auch der lebenswerteste Ortsteil Herleshausens.

Markershausen ist der kleinste Ortsteil Herleshausens

Noch nie habe er an einem anderen Ort leben wollen, sagt Edgar Bohnwagner voller Überzeugung. Der 67-Jährige ist Ehrenmitglied des Ortsbeirates und lebt seit seiner Geburt in Markershausen. Bereut, sagt er, habe er „noch keinen einzigen Tag“. Bohnwagner lebt wie die meisten Markershäuser in einem Eigenheim. „Leerstand gibt es hier so gut wie nicht“, sagt Ortsvorsteher Bernd Börner. Käufer für Häuser würden schnell gefunden – allerdings ziehe es selten Einheimische in das Dorf. „Wenn Leute zuziehen, dann stammen sie meist aus dem Ruhrgebiet oder dem Thüringer Raum“, sagt Börner.

Die letzte Kneipe hat in Markershausen schon in den 1990er-Jahren geschlossen, und statt in einem Einkaufsmarkt können Lebensmittel an Bäcker- und Fleischerautos gekauft werden, die den Ort mehrmals in der Woche anfahren. „Über eine nennenswerte Infrastruktur verfügen wir zwar nicht“, sagt der stellvertretende Ortsvorsteher Thomas Buchenau, „und doch liegen wir ja in der Mitte Deutschlands“. Sowohl Herleshausen als auch die Kreisstadt Eschwege seien mit dem Auto gut zu erreichen, und die thüringische Stadt Eisenach sei auch nicht fern.

Was in einem kleinen Ort wie Markershausen aber das wichtigste sei, sei die funktionierende Gemeinschaft. Vier Vereine – die Sportfreunde, der Treiber- und der Feuerwehrverein sowie der 1.-FC-Köln-Fanclub – sorgen ebenso für den nötigen Zusammenhalt wie der monatliche Frauentreff. Statt einer Kirmes richten die Mitglieder der Feuerwehr den beliebten Vatertagsfrühschoppen aus, und auch Ostern wird mit der Eiersuche durch das ganze Dorf zum Höhepunkt für die Kinder.

Nur ein Wunsch brennt Ortsvorsteher Börner noch auf der Seele: „Schnelleres Internet wäre schön – denn das gibt es selbst hier nicht.“

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