Vier Anlagen am Kielforst

Windkraftpläne: Bürgerinitiative  beklagt mangelnde Information

Drei von 570 Windenergieanlagen der Firma Enertrag: Vier weitere will das Unternehmen bei Herleshausen errichten. Symbolbild: dpa

Herleshausen. Vier Windkraftanlagen, jede einzelne rund 160 Meter hoch, auf dem Kielforst über Herleshausen – geht es nach dem Energieunternehmen Enertrag mit Sitz in Dauerthal (Uckermark), wird diese Vision bald zur Realität.

Ein entsprechendes Genehmigungsverfahren nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSCHG) ist in Gang gesetzt – das bestätigt die zuständige Behörde, das Regierungspräsidium (RP) Kassel, auf Anfrage unserer Zeitung. „Die entsprechenden Anträge sind eingegangen“, sagt Pressesprecher Harald Merz.

Die Bürgerinitiative „Bürger mit Initiative“ (BMI) beobachtet die Entwicklung mit Sorge. „Wir wünschen uns eine menschen- und naturverträgliche Windkraft“, sagt BMI-Mitglied Stephan Boschen. „Allerdings sollten fairerweise sowohl der Prozess als auch die endgültige Entscheidung im Einklang mit allen Beteiligten erfolgen – und das ist zurzeit nicht der Fall.“ Intransparent sei der Informationsfluss, beklagt Boschen – das ganze Gebahren entbehre nicht einer gewissen Arroganz.

Weder der potenzielle Betreiber Enertrag noch die Gemeinde hätten die Bürger bislang detailliert über die vorangeschrittenen Windkraftpläne informiert. „Rein rechtlich sind sie dazu auch gar nicht verpflichtet“, schränkt Boschen ein. Und doch dürften unterschiedlich gelagerte Interessen nicht dazu führen, die Bürger außen vor zu lassen – „denn das Thema geht uns alle an.“ Mindestens ebenso unverständlich sei das Verhalten der Genehmigungsbehörde. „Kein einziger Naturschutzverband wurde angehört“, sagt Oliver Radel, ebenfalls BMI-Mitglied. „Dabei ist das betroffene Gebiet ökologisch hochsensibel.“ Geprüft werden müsse beispielsweise, ob sich in dem als Rückzugsort für Vögel bekannten Gebiet auch Nistplätze für seltene Fledermausarten befinden. Über einen Anwalt hat die Herleshäuser Initiative deshalb nun einen Antrag auf Verfahrensbeteiligung gestellt – dessen Ausgang ist aber offen. „Unser Wunsch ist es, mit Betreiber, Eigentümer und Gemeinde an einen Tisch zu kommen“, sagt Radel.

Zeit dafür bliebe noch: Laut Harald Merz vom RP Kassel würden derzeit die möglichen Auswirkungen der Windkraftanlagen rund um den Kielforst auf Flora, Fauna und Mensch eingehend geprüft. „Würden am Ende dieses Verfahrens keine Beeinträchtigungen von den Sachverständigen festgestellt“, sagt Merz, „kann von unserer Behörde eine Genehmigung zum Bau erteilt werden.“ Diese Genehmigung sei wiederum sehr umfangreich und beinhalte strenge Auflagen. „Natürlich fokussieren sich die Energieunternehmen auf bereits ausgewiesene Windkraftflächen“, sagt Merz. Da die bereits vorgeprüft seien, sei die Chance auf einen positiven Bescheid größer.

Das sagt Alexis Prinz von Hessen

„Der Antrag für das Genehmigungsverfahren liegt dem RP vor“, sagt Alexis Prinz von Hessen, in dessen Besitz die entsprechenden Flächen rund um den Kielforst sind. Antragssteller ist er aber nicht. „Nun schließt sich ein umfangreiches Prüfverfahren an, dessen Ausgang offen ist.“ Bei einem Gespräch direkt vor Ort habe er sich den Fragen der Bürgerinitiative bereits gestellt – und auch weiteren Zusammenkünften stehe er offen gegenüber. „Bislang ist aber niemand auf mich zugekommen“, sagt von Hessen. „Wichtig ist mir, dass trotz konträrer Meinungen der korrekt-menschliche Umgang nicht verloren geht“. Auch sei die Entscheidung für erneuerbare Energien kein Pakt mit dem Teufel: Nachhaltigkeit stehe im Vordergrund – und nicht zuletzt müsse er neue Wege gehen, um das denkmalgeschützte Schloss Augustenau als touristischen Anziehungspunkt für die Region zu erhalten.

Das sagt die Enertrag

Robert Döring, Pressesprecher der Enertrag, bestätigt auf Anfrage das große Interesse des Unternehmens an vier Windkraftanlagen am Kielforst in Herleshausen. „Wir haben einen entsprechenden Antrag eingereicht“, sagt Döring. Von einem mangelnden Informationsfluss könne aber nicht die Rede sein. Bei zwei Bürgerversammlungen – am 12. Juli 2012 sowie am 21. Mai 2013 – seien die Herleshäuser auf das Vorhaben vorbereitet worden. Zusätzlich habe es die Vor-Ort-Begehung mit Alexis Prinz von Hessen im vergangenen Jahr gegeben. „Damit ist die Öffentlichkeit seit Jahren hergestellt“, so der Pressesprecher. Einem Dialog wolle die Enertrag sicher nicht im Wege stehen – „allerdings heißt Dialog nicht, dass am Ende alle einverstanden sein müssen“. Die fachliche Tiefe, mit der die Bürgerinitiative ihre Interessen vorantreibe, sei allerdings beeindruckend, sagt Döring.

Von Emily Spanel

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