Im Rennstall Altefeld gaben sich vor dem Zweiten Weltkrieg Derbysieger ein Stelldichein

Wurzeln in Hoppegarten

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Diese Postkarte aus dem Jahr 1924 zeigt den Rennstall Altefeld in Berlin-Hoppegarten.

Altefeld. Zu den renommiertesten und schönsten Trainingsanlagen auf der Galopprennbahn in Berlin-Hoppegarten gehört der „Altefelder Rennstall“, der heute als „Graditzer Hof“ firmiert. Die Anlage mit einer Gesamtfläche von 40 Hektar befindet sich in der Dahlwitzer Straße in Berlin-Neuenhagen. Jüngst zu Gast in Hoppegarten, der Rennbahn im Grünen und einer der bedeutendsten und zugleich geschichtsträchtigsten ostdeutschen Turfplätze, Doris und Manfred Graf vom Gestüt Altefeld.

„Mit der Verlegung 1919 von Graditz in das neugeschaffene Hauptgestüt Altefeld ging auch der Rennstall bei Hoppegarten auf Altefeld über und firmierte unter dem Namen Rennstall Hauptgestüt Altefeld“, erläutert Manfred Graf im WR-Gespräch. „In der Zeit von 1919 bis 1930 wurde beispielsweise eine überdachte Trainingsbahn gebaut, die für die damalige Zeit sehr fortschrittlich war. Die Stallungen wurden zudem auf insgesamt 40 Boxen erweitert“, folgerte Manfred Graf und verwies darauf, dass die Turflegende Herold von Dark Ronald aus der Hornisse 1920 eine Box im Altefelder Rennstall bezog.

„Und er bescherte dem Stall Siege im Hamburger Derby, im Großen Preis von Berlin, im St. Leger, dem seit 1881 ausgetragenen und heute auf der Dortmunder Galoppbahn beheimateten traditionellen Galopprennen über 2800 Meter sowie im Gladiatorenrennen vor heimischer Kulisse.“

Das Idealbild eines Vollblüters leistete später als Deckhengst in Altefeld Außergewöhnliches. Sein auf den Höhen des Ringgaus gezogener Nachkomme Alchimist gewann ebenso das Deutsche Derby wie dessen ebenfalls in Altefeld gezogener Sohn Birkhahn. Der Birkhahn-Sohn Literat steht als Vater der späteren Derbysieger Surumu, Acatenango und Lando. „Der in Altefeld gezogene Dark-Ronald-Nachkomme Aditi war 1925 gewinnreichstes Pferd seines Jahrgangs“, erzählt Manfred Graf.

Von 1909 bis 1945 war der Altefelder Rennstall 15mal an der Spitze der Gewinnerliste im Turfsport. „Es dauerte nach dem Zweiten Weltkrieg vier Jahre, bis sich wieder Leben auf der Bahn und im Rennstall vor den Toren Berlins regte, ehe 1990 mit dem Verkauf der volkseigenen Graditzer Pferde auch das Aus für den Graditzer/Altefelder Rennstall gekommen war“, so Manfred Graf.

Der Rennstall ist heute im Besitz von Prof. Dr. Bernhard von Schubert, dem Eigentümer des Gestüts Ebbsloh bei Bielefeld.

Von Dieter Möller

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