A-44-Tunnel bei Küchen: Es wird rund um die Uhr gearbeitet

Im Berg: Die Mineure bohren mit einem Bohrwagen etwa 70 Sprenglöcher in den Fels. Auf der Baustelle Küchen werden drei dieser Bohrmaschinen eingesetzt. Eine solche Maschine hat einen Neuwert von rund 1,5 Millionen Euro.

Küchen. Ein dumpfer Rumms schallt aus dem Ostportal der A-44-Tunnelröhre bei Küchen: Die Druckwelle ist auch aus 200 Metern Entfernung noch in der Magengrube spürbar.

70 Sprengladungen gehen innerhalb kürzester Zeit los, „Wir zünden 20 Ladungen gleichzeitig mit einem Sprengzünder, der mit 1200 Millisekunden Verzögerung ausgelöst wird, erklärt Sprengmeister Martin Krebs.

Meter für Meter arbeiten sich die Mineure so durch den Berg, der aus Buntsandstein besteht, einer Mischung aus sehr hartem Sandstein und weichem Tonstein. Mit jeder Sprengung dringen die Mineure einen Meter tiefer in den Berg vor. Bei vier bis fünf Detonationen schaffen die Bergmänner etwa fünf Meter pro Tag. Bis zum Jahr 2015 soll der 1350 Meter lange Tunnel fertig gestellt werden. Bislang sind die Mineure rund 150 Meter vorgedrungen.

Der unter dem Hessisch Lichtenauer Ortsteil Küchen verlaufende Tunnel wird aus zwei Röhren bestehen - der Nord- und der Südröhre, an denen parallel gebaut wird. An sieben Tagen die Woche 24 Stunden lang. Außer an Weihnachten, dann fällt die Baustelle in einen zweiwöchigen Schlaf.

„Je schneller man durch den Berg fährt, desto besser“, erklärt Bauleiter Erich Merkle von Marti Deutschland. „Der Berg will den Hohlraum von oben und unten wieder schließen, deshalb sichern wir ihn mit einer etwa 25 Zentimeter dicken Schicht aus Spritzbeton“, sagt Merkle. Während der Bergarbeiten wird der Tunnel ständig überwacht. Alle 25 Meter befindet sich ein Messpunkt, um zu überprüfen, ob der Berg sich bewegt.

In jeder Röhre arbeiten neun Mineure in einer Vortiebsgruppe. Insgesamt werden auf der Tunnelbaustelle 65 Mitarbeiter beschäftigt. Es gibt eine Kantine, ein Betonmischwerk, eine Schlosserei und Werkstätten.

In Küchen wird nach der Neuen Österreichischen Tunnelbauweise gearbeitet. Das selbe Verfahren wird auch am Tunnel Hirschhagen eingesetzt. Eine Tunnelröhre besteht aus drei Teilquerschnitten: Der Kalotte (oben), der Strosse (mitte) und der Sohle (unten). Die Arbeiten laufen immer nach demselben Schema ab. Gebaut wird zuerst an der Kalotte, also oben. Weiches Gestein wird mit einem Tunnelbagger mit Reißlöffel gelöst und mit Radladern aus dem Berg gefahren. Das abgebaute Material wird auf einer Zwischendeponie in Hasselbach gelagert und später für den Bau von Lärmschutzwällen wieder verwendet.

Bilder der Bauarbeiten

Bauarbeiten: A-44-Tunnel bei Küchen

1,5 Meter tiefe Löcher

Kommentare