Ab Fahrplan-Änderung:  Probleme, zur Arbeit zu kommen

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Problemfall Albungen: Zwischen Eschwege und Bad Sooden-Allendorf gelegen, sieht Ferdinand Krüger durch die Änderungen des Fahrplans künftig Probleme, zu seinen Arztterminen und womöglich auch rechtzeitig an die Arbeit zu kommen.

Albungen. Wenn im Dezember der Bustakt zwischen Eschwege und Bad Sooden-Allendorf ausgedünnt wird, hat Ferdinand Krüger Probleme, zur Arbeit oder zum Arzt zu kommen.

„Bislang war Bus wunderbar“, gibt sich Ferdinand Krüger fast schwärmerisch. Selbst Auto fahren geht nicht mehr, seit er 2007 einen Fuß verlor. Künftig sieht der im Eschweger Stadtteil Albungen wohnhafte 61-Jährige aber Probleme, mit dem Bus nach Bad Sooden-Allendorf und wieder zurück zu kommen.

Grund dafür ist einer Änderung der Buslinie 220 im Rahmen des Fahrplanwechsels im Dezember. Ab Mitte Dezember hält der von Bad Sooden-Allendorf kommende Bus der Linie 220 - zumindest in der Woche - nicht mehr jeder Stunde. Nur an den Wochenenden fahren mehr Busse, auch wenn von Bad Sooden-Allendorf an Samstagen und Sonntagen spätestens um 18.15 Uhr die Heimfahrt angetreten werden muss.

Krüger befürchtet nun, sollte er wieder arbeiten können, zu spät zum Dienst in einer Reha-Klinik in Bad Sooden-Allendorf zu kommen - und nach Hause nur umständlich per Anrufsammeltaxi von Eschwege aus, sagt der seit Monaten krank geschriebene medizinische Bademeister.

Arbeit und Ärzte in Badestadt 

Aber nicht nur die Arbeitsstelle ist in der Badestadt, auch seine Hausärztin und zwei seiner Fachärzte haben dort ihre Praxis. Von denen werde sich wohl verabschieden und stattdessen nach Eschwege oder Göttingen orientieren, sagt Krüger.

Alternative: Vom Anrufsammeltaxi müsste er sich zum Stadtbahnhof Eschwege bringen lassen und von dort mit der Cantus-Regionalbahn nach Bad Sooden-Allendorf fahren.

Probleme durch den Wegfall des Bushalts in der Woche sieht er auch für Auszubildende, die die Berufsschule in Witzenhausen besuchen und nach 15 Uhr erst Schulschluss haben, und für andere Schüler aus Albungen, ferner für Berufstätige mit einem Arbeitsplatz in Eschwege.

Wegen der schlechten Anbindung, meint Krüger, seien einige Albunger auch schon nach Bad Sooden-Allendorf umgezogen.

Der 61-Jährige könnte sich gut vorstellen, dass am alten Bahnhof ein Bedarfs-Haltepunkt für den Cantus eingerichtet wird.

Cantus-Halt wäre zu teuer 

Das sei, da es auch schon Begehren des Ortsbeirats von Albungen war, geprüft worden, sagt Ortsvorsteher Horst Schäfer. Es sei nach umfassenden Erhebungen aber aus Kostengründen und wegen zu geringer Bedarfserwartungen abgelehnt worden, äußert er Verständnis dafür, dass wirtschaftliche Überlegungen mitspielten.

Von anderen konkrete Problemfällen für Albungen Einwohner, wenn der Bus künftig nach einem anderen Takt fährt, weiß der Ortsvorsteher nichts. Die meisten Haushalte in dem 370-Seelen-Ort verfügten über ein Auto. Er geht davon aus, dass das AST-Angebot in Richtung Bad Sooden-Allendorf hilfreich sein kann. Das AST nach Eschwege, sagt Schäfer, werde gerade von den Älteren jedenfalls „sehr gut angenommen“.

Das sagt Horst Pipper vom Nahverkehr Werra-Meißner

Man baue Parallelverkehr zur Schiene ab, begründet Geschäftsführer Horst Pipper von der Nahverkehr Werra-Meißner GmbH (NWM) die Änderungen für die Buslinie 220.

Von Montag bis Freitag wird zwischen 7 und 15 Uhr jeder zweite Bus von Witzenhausen weitergeführt bis nach Eschwege, zu den anderen, in Bad Sooden-Allendorf endenden beziehungsweise ab dort eingesetzten Bus gibt es Anschluss an die Regionalzuglinie R 7 von beziehungsweise nach Eschwege.

Ob das ohne Probleme geht, müsse man im Einzelfall sehen, ermutigt er dazu, dann Anregungen und Wünsche mitzuteilen. Natürlich werde es auch „Einzelschicksale“ geben, öffentlicher Personennahverkehr sei halt kein Taxi, verweist Pipper darauf, dass auch die Kosten für die Linien berücksichtigt werden müssten.

Albungen sei aufgrund seiner Lage zwischen Eschwege und Bad Sooden-Allendorf ein besonderer Problemfall. Im April sei zur Ergänzung der Verbindung nach Bad Sooden-Allendorf schon die Möglichkeit des Anrufsammeltaxis (AST) eingerichtet worden.

Das soll auch so bleiben, sagt Piper, obwohl er die Nutzung dieses Angebots als „ausbaufähig“ bezeichnet. Konkret: In den sechs Monaten sei das AST nach Bad Sooden-Allendorf nicht einmal angefordert worden.

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