Preis „Die innovative Arztpraxis“ geht an das Gesundheitszentrum Gelstertal

Alle Daten per Mausklick

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Ein Licht ist ihnen aufgegangen: Das haben Dr. Herbert Baake (links) und Dr. Jan Purr mit ihrer Idee einer überörtlichen Gemeinschaftspraxis, die über eine digitale Pflegeakte mit dem Klinikum Werra-Meißner und einem ambulanten Plegedienst vernetzt ist, bereits bewiesen.

Grossalmerode / Laudenbach. Passwort, Patientenname, klick. Schon öffnet sich die digitale Pflegeakte, in der Versicherungsdaten, Diagnosen, Medikationen, Pflege-Informationen und mehr gebündelt sind. Alles auf einen Blick. Doch die preiswürdige Vision der vier Ärzte, die im Gesundheitszentrum Gelstertal zusammengeschlossen sind, reicht noch weiter.

Sie gründeten nicht nur eine überörtliche Gemeinschaftspraxis mit Standorten in Großalmerode und Laudenbach, sondern vernetzten sich über die digitale Pflegeakte auch sektorenübergreifend mit dem ambulanten Pflegedienst Ascleon-Care und dem Klinikum Werra-Meißner. Das spart Wege und Zeit, was für Patienten und Ärzte auf dem Land gleichermaßen wichtig ist. Denn immer öfter bleiben Praxen unbesetzt, wenn Mediziner in den Ruhestand gehen. Der Mangel an Landärzten und eine immer ältere Bevölkerung werden über kurz oder lang zu Versorgungs-Engpässen führen.

Mobile Assistentinnen

Um diesem Trend entgegenzuwirken, wurden die Großalmeröder Ärzte kreativ. So ist es mittels der digitalen Akte nicht nur möglich, Patientendaten zu pflegen und verfügbar zu machen – auch Aufgaben können besser delegiert werden, zum Beispiel an Arzthelferinnen. „Unsere Praxis-Assistentinnen sind mit Autos in der Region unterwegs, um bei chronisch kranken Patienten Verbände zu wechseln, Blut abzunehmen und anderes zu erledigen“, berichtet Dr. Jan Purr. Die Daten werden mittels Tablet-PC direkt eingepflegt und stehen den Ärzten bei Bedarf sofort zur Verfügung.

Auch an das Klinikum Werra-Meißner hat sich die Großpraxis mit seiner EDV angedockt. Das erleichtere den Austausch mit den Kollegen. „Ich als Hausarzt kann sehen, welche Medikamente mein Patient im Krankenhaus erhält. Umgekehrt kann ich Daten für eine anstehende Operation freigeben, zum Beispiel über Vorerkrankungen.“

Für ihr Versorgungskonzept wurden Dr. Jan Purr, Dr. Herbert Baake, Dr. Nicole Baake-Möller und Dr. Robert Tanu als „Die innovative Arztpraxis“ ausgezeichnet. 30 Ärzte haben sich am Wettbewerb beteiligt. Gestiftet wird der Preis von der Verlagsgruppe Springer Medizin und dem Biopharma-Unternehmen UCB.

„Uns ist bewusst, dass Patientendaten extrem sensibel sind. Wir geben immer nur solche Daten frei, die für eine Behandlung nötig sind.“

Dr. Jan Purr und Dr. Herbert Baake

Der gläserne Patient birgt allerdings auch Risiken. Was passiert, wenn Daten in falsche Hände gelangen? „Uns ist bewusst, dass Patientendaten extrem sensibel sind“, sagen Jan Purr und Herbert Baake.

Zunächst müsse der Patient der Speicherung seiner persönlichen Daten deshalb grundsätzlich zustimmen. Der Zugriff auf die Akte sei mittels Passwort geschützt. Auch könne nicht jeder am Netzwerk Beteiligte alle Daten eines Patienten einsehen. „Wir geben immer nur solche Daten frei, die für eine Behandlung nötig sind.“

Zudem solle bald gemeinsam darüber entschieden werden, ob auch der Patient selbst per Passwort prüfen kann, welche Daten von ihm in der Akte gespeichert sind.

Von Kathrin Bretzler

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