Marie Rosa Günter begeistert Publikum im Wappensaal

Am Anfang einer brillanten Karriere

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Eine junge Pianistin, die das sachkundige Publikum im Wappensaal mit ihrer großartigen Technik und ihrer Sensibilität begeistert: Marie Rosa Günter.

Bad Sooden-Allendorf. Marie Rosa Günter, die junge Pianistin, Jahrgang 1991, steht am Anfang einer vermutlich brillanten Karriere. Als Noch-Studentin, an der Hochschule für Musik und Theater Hannover, begeistert sie schon jetzt das Publikum - wie am Freitag im sehr gut besuchten Wappensaal der Kurstadt in der Reihe Weltklassik am Klavier.

Marie Rosa Günter hatte einen glanzvollen, mit Ovationen und Bravos quittierten Auftritt mit ihren durch erstaunliche Technik und musikalische Sensibilität hervorragende Interpretrationen. Wobei ihre gestalterische Qualität erst in der Mitte des ersten Programmteils voll zur Geltung kam.

Zu Beginn des Konzerts hatte sie zwei Stücke von Mozart gespielt, die berühmte Fantasie d-moll und die Sonate F-Dur KV 332 - in soliden Interpretatioen, die aber noch nicht die Güte erreichten von dem, was nun folgen sollte: die vier Balladen von Chopin und Beethovens Waldstein-Sonate.

Schon bei den ersten Takten der ersten Ballade entfaltete Marie Rosa Günter den ganzen chopinesken Zauber, mit einem einfühlsamen Spiel, das fortan das Publikum fesselte. Hier, wie bei den restlichen Balladen, vor allem bei der vierten, erlebte das Publikum einen Chopin pur - wie man ihn sich wünscht.

Und dann die geradezu orchestrale Pracht der Waldstein-Sonate. Wobei hier vor allem das kraftvolle, die technischen Schwierigkeiten beherrschende Spiel der Pianistin zu bewundern waren. Die Musikerin schien mit fast geschlossenen Augen in der Musik aufzugehen.

Das war ein herrlicher Abend, der mit dem regulären Programm noch lange nicht zuende war. Denn nach dieser Tour de force schenkte die Pianistin dem entzückten Publikum noch drei Zugaben. Zuerst ein Nocturne von Chopin, das noch einmal die exquisite Sensibilität der Künstlerin eindrucksvoll bewies. Und dann gab sie eine nochmalige Kostprobe ihrer Virtuosität, mit einer feurig rasanten Fantasie von Horowitz über Themen aus Bizets „Carmen“. Und ganz am Schluss verzauberte sie das Publikum mit den wundersam zarten Klängen aus Debussys „La fille aux cheveux de lin“.

Und so schloss sie einen interpretatorischen Kreis, der über die fast tragischen Klängen aus Mozarts Fantasie, die Gefühlswelt von Chopin und die himmelstürmende Pracht Beethovens das Publikum in Atem gehalten hatte.

Ein beglückender Klavierabend, der schon jetzt auf die folgenden Veranstaltungen der Weltklassik-am-Klavier-Reihe (die nächste folgt am 1. Februar) Lust macht.

Von Francesco Pujiula

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