Frauen fordern gleichen Lohn für gleiche Arbeit: Osterhasen-Demonstration am Equal Pay Day in Bad Sooden-Allendorf

„Arbeitest du nur, oder verdienst du schon?“

Kämpfen für faire Bezahlung: Petra Vogel-Haff (von links), Brigitte Leithäuser, Katja Eggert, Sabine Marten, Lara Werner, Thekla Rotermund-Capar, Waltraud Eisenträger-Tomcuk und Anja Neumann-Achtelik. Foto: Cortis

Bad Sooden-Allendorf. Normalerweise hat ein Jahr zwölf Monate. Das sehen berufstätige Frauen allerdings anders. Schlaue Köpfe haben ausgerechnet, dass in Deutschland eine Frau 15 Monate lang schuften muss, um dasselbe Einkommen zu erzielen wie ein Mann in einem Jahr. Vor diesem Hintergrund sind gestern Frauen verschiedener Organisationen auf die Straße gegangen, um während des Wochenmarktes in Bad Sooden-Allendorf für gleichen Lohn für gleiche Arbeit zu demonstrieren.

Der „Equal Pay Day“ - zu Deutsch: Tag der Lohngleichheit - rückte insbesondere die Gesundheitsberufe in den Fokus. Dort liegt der Anteil der weiblichen Beschäftigten bei 80 Prozent. Und ganz so neu ist die Erkenntnis nicht, dass Berufe mit einem hohen Frauenanteil vergleichsweise niedrig bezahlt werden. Wie zur Bestätigung berichtete eine Marktbesucherin, die in einer Praxis für Physiotherapie beschäftigt ist, dass sie im Monat 300 Euro weniger in der Lohntüte habe als ihre beiden männlichen Kollegen mit derselben Ausbildung.

Auch die Rente ist niedriger

Das habe auch gravierende Auswirkungen auf die Rente, die für Frauen bis zu 50 Prozent niedriger sei, beklagte die Gleichstellungsbeauftragte des Werra-Meißner-Kreises, Thekla Rotermund-Capar. Und deren Kollegin aus Witzenhausen, Katja Eggert, ergänzte, beim Lohngefälle zwischen Mann und Frau belege das reiche Deutschland in der Europäischen Union einen beschämenden drittletzten Platz.

Die Forderung der Frauen ist klar: Es müsse ein gesetzlicher Mindestlohn her, der sicherstelle, dass Frauen, die in der Pflege - und nicht nur da - arbeiten, so viel verdienen, dass sie davon ihren Lebensunterhalt problemlos bestreiten können. Wichtig sei auch, dass die Rahmenbedingungen stimmten, womit vor allem auf die Betreuung der Kinder von berufstätigen Frauen abgezielt wird.

Zur Veranschaulichung ihrer Forderungen hatten die Frauen auf dem Rand des Marktbrunnens 100 Schokoladen-Osterhasen drapiert, allesamt „bewaffnet“ mit Transparenten, auf denen unter anderem zu lesen war: „Mehr Cash in Frauentäsch“, „Viel Dienst, wenig Verdienst“ oder „Arbeitest du nur, oder verdienst du schon?“. Die große Mehrzahl der Häschen hatte eine „Rote Karte“ mitgeführt, die die Frauen ihrem Chef geben sollen, falls der sich den Forderungen verweigere. (zcc)

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