Seniorenrat warnt vor stetig wachsender Altersarmut in Witzenhausen

Armut verschärft sich

Im Parlament: Georg Gries berichtete als Vorsitzender von den Themen des Seniorenrates. Foto: Michaelis

Witzenhausen. Die Zahlen, die Georg Gries nannte, waren eindrücklich. In seinem Bericht über das vergangene Jahr warnte der Vorsitzende des Seniorenrats vor einer stetig wachsenden Altersarmut in Witzenhausen.

Ein Gradmesser sind für Gries die Themen bei den 94 Beratungen des Seniorenrates im Jahr 2012. Häufig gehe es dabei um die Beantragung von Wohngeld oder die Grundsicherung im Alter nach Sozialgesetzbuch (SGB) XII. „Auch in Witzenhausen ist leider mit steigender Tendenz die Altersarmut angekommen“, sagte Gries. Inzwischen erhielten 200 Personen Unterstützung von der Kreisverwaltung, hizuzurechnen seien die Bezieher von Wohngeld.

Bei der Beantragung leiste der Seniorenrat viel Hilfe. Gries verwies auf die große Zahl von insgesamt 13 Prüfkriterien. „Man muss sich schon fast bis auf die Unterhose ausziehen, um Geld zu kriegen.“ Auch deshalb unterstütze der Seniorenrat die Initiative der Linken, ein Sozialticket einzuführen.

Und noch ein anderes Verkehrsthema liege dem Seniorenrat am Herzen: der Umbau der Bushaltestelle Am Markt. „Hier ist dringender Handlungsbedarf“, sagte Gries. Auch unter dem Schutzschirm „darf man die Fahrgäste, ob jung oder alt oder sogar behindert, nicht im Regen an der Bushaltestelle stehen lassen“. Gries erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass sich Deutschland mit Unterzeichnung der UN-Behindertenrechtskonvention zur Inklusion verpflichtet hat.

Nicht zuletzt sorge viele Senioren die zunehmend schlechter werdende fachärztliche Versorgung in der Stadt, die Gries als „Katastrophe“ bezeichnete. Weite Wege und langfristige Termine würden zunehmend zur Belastung, gerade für ältere Menschen. Er rief die Stadtverordneten dazu auf, gemeinsam zu überlegen, um diesem wachsenden Problem zu begegnen.

Insgesamt zog Gries eine positive Bilanz über die Arbeit des Seniorenrates im vergangenen Jahr. So wertete er auch die zu Ende gehende Amtszeit des Gremiums, das zum Ende dieses Jahres neugewählt wird. „Ohne Seniorenvertretung geht es nicht“, sagte Gries. Vor dem Hintergrund, dass in Witzenhausen mit allen Stadtteilen inzwischen 4500 Menschen leben, die das 60. Lebensjahr überschritten haben, müsse man der demografischen Entwicklung Rechnung tragen. (clm)

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