Auswanderer Norbert Hennings trifft in Bad Sooden-Allendorf auf alte Freunde

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 Freude pur: Neuseeland-Auswanderer Norbert Hennings (links) und Gastgeber Michael Rebbig schwelgten in Erinnerungen beim Wiedersehen in Bad Sooden-Allendorf.

Bad Sooden-Allendorf. In den 1980er-Jahren gehörte er nicht nur zu den Stützen der Handballer in Bad Sooden-Allendorf. Mit 1,97 Meter war er auch der Größte von ihnen. Dann zog es ihn in die Ferne. 26 Jahre später gab es ein Wiedersehen mit den alten Kameraden. Dafür reiste Norbert Hennings um die halbe Welt.

Der 53 Jahre alte Diplom-Agraringenieur lebt seit 1988 in Neuseeland. Im 18 000 Kilometer entfernten Nelson, einer 40 000 Einwohner zählenden Stadt an der Nordküste der Südinsel, verdient er sein Geld mit einem Gartenbaubetrieb.

Eigentlich wollten Hennings und seine Lebensgefährtin Gabi mit ihrer viertägigen Stippvisite nur einen Besuch von Michael Rebbig und Partnerin Wiebke erwidern. Nucki, wie der Stammtorhüter der Handballer aus jener Zeit genannt wird, hatte im November 2011 während eines vierwöchigen Neuseeland-Urlaubs an der Tür seines Kumpels angeklopft, der in Nelson ein schmuckes Eigenheim mit Meeresblick bewohnt.

Doch pfiffig, wie der Nucki nun mal ist, trommelte er fast die komplette Mannschaft von damals zusammen. Als er am Samstagabend seinen Gast zu einem Dinner in ein Innenstadtlokal entführte, war die Überraschung perfekt. An der festlich gedeckten Tafel warteten schon die Recken von einst, mit denen Hennings mehr als 30 Jahre zuvor den Aufstieg von der Kreisliga A in die 2. Bezirksliga geschafft hatte. Natürlich gab es da viel zu erzählen. Erst nach 3 Uhr morgens gingen im Restaurant die Lichter aus.

Ursprünglich stammt Hennings aus Bremen, wo er schon als Siebenjähriger mit dem Handballsport begonnen hat und später mit dem TSV St. Magnus Landes- und norddeutscher Meister wurde. 1982 nahm er in Witzenhausen ein fünfeinhalbjähriges Studium der Agrarwirtschaft auf. Weil Witzenhausen aber handballerische Diaspora ist, schloss er sich der TSG Bad Sooden-Allendorf an und wohnte während des Studiums sogar im Stadtteil Orferode, praktisch Tür an Tür mit Trainer Hans-Jürgen, genannt Toni, Nöding.

Obwohl er die deutsche Staatsbürgerschaft hat, schaffte es Hennings sogar bis zum Nationalspieler in Neuseeland. In dem Land, wo Rugby der Volkssport Nummer eins ist, mühte er sich, das Handballspiel populärer zu machen und war sich auch nicht zu schade, Handballtore selbst zu basteln. Die Pfosten hat er geschweißt, den Querbalken in Rot und Weiß gestrichen. Ein Fischernetz dazu, und fertig war das Gehäuse, das er bis in die Schulen geschleppt hat.

Was die Deutschland-Auswanderer am meisten vermissen, ist das hier so reichhaltige Angebot an Brotsorten und Wurstwaren. Seit sieben Jahren sind Norbert und Gabi zusammen. Und wo in Neuseeland haben sie sich kennen gelernt? An einer deutschen Bratwurstbude.

Norbert Hennings’ Liebe zu Neuseeland weckten nicht nur zwei Urlaube, sondern auch ein mehrmonatiges Praktikum auf einer biologisch-dynamischen Farm in Christchurch. „Das Land hat mir sehr gut gefallen. Es gibt dort viel weniger Bürokratie als hier und bessere Chancen, als Selbstständiger klar zu kommen“, sagt der 53-Jährige.

Obwohl sie aus der Handball-Hochburg Gummersbach stammt, hat Partnerin Gabi mit diesem Sport nichts am Hut. Fußball hat sie früher gespielt, ehe sie vor 17 Jahren nach Neuseeland ausgewandert ist. Die ausgebildete Erzieherin arbeitet heute in der Altenpflege. Fasziniert ist sie von der landschaftlichen Vielfalt und der Weite des mit knapp 4,5 Millionen Einwohnern nur dünn besiedelten Landes. Außerdem seien die Menschen dort sehr offen und unkompliziert, aber, so schränkt sie ein, „auch etwas oberflächlich“.

Von Chris Cortis

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