Tunnel Küchen: Fertigstellung bis 2015 geplant

Baustart mit einem Jahr Verzögerung

Küchen. „Am Mittwoch standen noch alle Baume da, jetzt gibt es schon ganz schöne Lücken“, sagt Axel Koebbel. Der 65-jährige Küchener ist gemeinsam mit seiner Frau Alice auf Inspektionstour an der Baustelle der A 44, dort, wo in einigen Wochen mit den eigentlichen Bauarbeiten begonnen werden soll. Seit gestern laufen die Vorarbeiten. Zunächst muss das ganze Areal vor dem künftigen östlichen Eingang gerodet werden.

„Die machen erstmal das ganze Kleinholz weg, die großen Bäume kommen später dran“, weiß Koebbel. Hinter ihm rattern zwei Motorsägen, mit denen die beiden Arbeiter wie im Akkord einen Baum nach dem andern niederlegen.

Koebbel hat sich vorgenommen, jeden Tag auf die Baustelle zu gehen und mit seinem Fotoapparat die Veränderungen zu dokumentieren. „Vielleicht wird ja am Ende eine Reportage draus“, überlegt er.

Bis die Bauarbeiten beendet sein werden, wird es noch eine Weile dauern, denn das 75 Millionen Euro teure Projekt ist eines der aufwändigsten Vorhaben beim Neubau der A 44. Es gehört zum Neubauabschnitt zwischen Waldkappel und Walburg, der insgeamt 4,3 Kilometer lang ist und mit 120 Millionen Euro veranschlagt wird. Das Tunnelbau-Unternehmen Marti aus der Schweiz, das die Arbeiten ausführt, rechnet mit der Fertigstellung der beiden 1372 und 1333 Meter langen Röhren im April 2015.

Zu diesem Zeitpunkt sollte der Tunnel eigentlich schon ein Jahr in Betrieb sein, eine gerichtliche Auseinandersetzung zwischen Marti und dem österreichischen Alpine Tunnelbau hat den Baubeginn verzögert. Mit dem Bau konnte auch frühestens am 1. November begonnen werden, weil dann die geschützten Bechsteinfledermäuse, die in der Umgebung von Küchen heimisch sind, dann in ihre Winterquartiere gezogen sind. Bis die Tiere im Frühjahr zurückgekehrt sind, müssen die Arbeiten am Tunnelportal beendet worden sein. An den Arbeiten im Tunnel selbst stören sich die Tiere nicht.

Das macht wiederum den Anwohnern, unter anderen Alice und Axel Koebbel, zu schaffen. „Unser Haus ist das erste im Dorf“, sagen sie. Es liegt zwar nicht direkt in der Gefahrenzone, aber sie sehen den Bauarbeiten, vor allem aber den Sprengungen doch mit sehr gemischten Gefühlen entgegen. Hinzu komme die Belästigung durch Baulärm und Dreck. Auf der anderen Seite, so Alice Koebbel, „wenn der Tunnel erst einmal in Betrieb ist und der Verkehr im Berg verschwindet, könnte es in Küchen wieder schön ruhig werden.“

Von Dieter Salzmann

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