Beim Brunnenfest wurde Salz gesiedet

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Salzsieden ist harte Arbeit: Werner Voß (links) und Martin Herrmann vom Verein für Heimatkunde Bad Sooden-Allendorf „stören“ die heiße Sohle mit den Kruken, damit das Salz kontrolliert kristallisiert. 

Bad Sooden-Allendorf. Die alte Kunst des Salzsiedens wurde beim Brunnenfest zu Pfingsten in Bad Sooden-Allendorf zum Leben erweckt.

Im Mittelalter und der frühen Neuzeit war das Salz das weiße Gold von Bad Sooden-Allendorf. Doch es musste hart erarbeitet werden. 88 Siedehütten standen damals auf dem Platz, der heute der Kurpark im Mittelpunkt von Sooden ist.

Wie in einer Siedehütte gearbeitet wurde, zeigten die Mitglieder des Vereins für Heimatkunde zum Brunnenfest mit dem Schausieden. Aus der riesigen Salzpfanne wollten Uwe Friederich, Vorsitzender des Vereins, sowie seine weißgewandeten Siedeknechte am Ende des Tages 40 Kilogramm Salz in Handarbeit gewonnen haben. Dazu musste zunächst das Feuer unter der Pfanne ordentlich heiß brennen. Einen ganzen Meter Holz hatten die Salzsieder dazu mitgebracht. In der Pfanne befand sich Sole aus der Quelle am Gradierwerk mit einer Sättigung von 22 Prozent. „Im Mittelalter hatte die Sole nur eine Sättigung von zwei bis vier Prozent“, erklärte Uwe Friederich. „Man kann sich vorstellen, dass die Salzsieder dann entsprechend länger und härter arbeiten mussten.“

Bereits nach einer halben Stunde fing die Sole an zu dampfen, wenig später bildeten sich die ersten Salzkristalle. Von nun an musste die Sole „gestört“ werden, wozu Lothar Scharf und Martin Herrmann die Krunke verwendeten und die Sohle rührten. Nach zwei Stunden konnte das erste Salz aus der Pfanne geholt und zum Trocknen in die Salzkörbe gegeben werden. Uwe Friedrich schöpfte Salzkristalle von der Oberfläche der Sole ab. „Dies ist das Fleur de Sel“, erklärte er den Besuchern und ließ diese das Salz probieren. „Das Salz von der Oberfläche schmeckt besonders intensiv.“

Die Besucher des Brunnenfestes konnten das gesiedete Salz schließlich gegen eine Spende in Beuteln abgepackt mit nach Hause nehmen. Ein kleines Jubiläum feierte Udo Wiesner, der beim Salzsieden für die richtige Temperatur zuständig war. Er ist unter den Salzsiedern der Mann mit der meisten Erfahrung. Seit 40 Jahren nimmt er jedes Jahr an den Schauveranstaltungen teil. Schließlich lag die Aufsicht über die Salzgewinnung beim Soleweisen, den Gerhard Rademacher darstellte.

Rund um die Siedehütte war am Brunnenfest danach aber noch lange nicht Schluss. Zu den Klängen der Steeldrums der Eschweger Musikschule schlenderten die Besucher durch die Reihen der Buden und probierten allerlei Köstlichkeiten oder saßen in den Cafés.

Gelegentliche Regenschauer trübten die Stimmung im Kurpark kaum, denn dort hatte der Brunnenfestausschuss für allerlei Spiele für die ganze Familie gesorgt.

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