Städtepartnerschaft Bad Sooden-Allendorfs mit Landivisiau in der Bretagne wird seit 40 Jahren gepflegt

Besucher immer in den Familien

Bretonische Kultur: Freunde aus Landivisiau tanzten Mitte der 1970er Jahre.auf dem Marktplatz von Allendorf, rechts François Cavarec, Dritter von rechts Jean Cavarec, einer der Initiatoren der Verschwisterung mit Bad Sooden-Allendorf, der vor eineinhalb Jahren verstarb.

Bad Sooden-Allendorf. Die erste Anfrage, ob Bad Sooden-Allendorf Interesse an einer Verschwisterung mit der französischen Stadt Landivisiau hätte, kam Mitte Juni 1971, Anfang September schauten sich schon zwei Ehepaare aus der Bretagne an der Werra um.

Der Badestädter Parlamentschef Hermann Diehl nimmt Anfang 1972 offiziell Kontakt auf, schon wird der erste Jugendaustausch verabredet. So begann eine Städtepartnerschaft, die mittlerweile 40 Jahre währt und bis heute gepflegt wurde.

Über 130 bretonische Freunde werden am Mittwochabend, 8. Mai, in Bad Sooden-Allendorf erwartet, denn die Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde am 21. April 1973 soll groß gefeiert werden.

Die Initiative war von den Schulen ausgegeben, zunächst lief auch nur der Jugendaustausch, während die Erwachsenen erst noch für die Freundschaft begeistert werden mussten. Doch im Sommer 1974 machten sich auch 60 Erwachsene auf den 1400 Kilometer langen Weg an die bretonische Küste. Der Posaunenchor war der erste Verein, der mitfuhr und bei diversen Festlichkeiten mitwirkte. Ein anderer Verein, die Feuerwehr, engagierte sich alsbald auch sehr stark.

Schon von der ersten Begegnung an fielen zwei grundsätzliche Entscheidungen für die Organisation und Gestaltung der deutsch-französischen Partnerschaft, die sich außerordentlich günstig auswirken sollte, wie es in einer Chronik heißt: Es war nicht die Stadtverwaltung, die die mit der Partnerschaft verbundene Arbeit erledigen sollte, sondern die interessierten Bürger. So entstand in Bad Sooden-Allendorf der Freundeskreis für die Partnerschaft, deren erster Vorsitzender Ludwig Richter war. Heute steht Ulrich Abendroth den 130 Mitgliedern vor.

Außerdem war damals festgelegt worden, dass jeder Besuch, egal ob in „Landi“ oder hier, in einer Familie aufgenommen werden sollte, damit man sich direkt kennenlernt und die persönlichen Begegnungen gepflegt werden. Dieser Grundsatz wird bis heute durchgehalten. So entstanden vielen Familienfreundschaften mit gegenseitigen Besuchen zu Familienfesten. In 60 Familien dort und hier sei die Partnerschaft derzeit verwurzelt, sagt die stellvertretende Freundeskreisvorsitzende Heidi Giese.

Eine deutsch-bretonische Ehe kam zwischenzeitlich zustande, und eine Badestädterin hat ein Patenkind in Landivisiau. Gegenseitige Besuche oftmals mit Musikgruppen zu den Festen – in Landivisiau der Karneval, in Bad Sooden-Allendorf das Erntefest – und der Schüleraustausch gehören nach wie vor zum Verschwisterungsprogramm. Von Beständigkeit zeugt auch die Freundschaft der Wanderer, die schon auf zehn gemeinsame Wanderwochen zurückblicken.

Der Partnerschaftsgedanke wird in den Familien sozusagen auch vererbt. Michael Bras, der vor 40 Jahren schon mit der ersten Besuchergruppe aus der Bretagne kam, wird – mittlerweile 55 Jahre alt – am Mittwochabend mit seinem Sohn an der Werra erwartet.    

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