Freiherr-vom-Stein Schule: Katharina Saalfrank über das Lehrer-Schüler-Verhältnis

Beziehung statt Erziehung

Man muss eine Beziehung zu Kindern aufbauen: Diplompädagogin Katharina Saalfrank las bei ihrem Vortrag am Donnerstagabend in der Freiherr-vom-Stein Schule in Hessisch Lichtenau auch aus ihrem Buch. Foto: Geier

Hessisch Lichtenau. Oft haben Schüler Angst, denn für sie ist Schule ein System, in dem sie bewertet und bestraft werden. Die vor allem aus dem Fernsehen bekannte Diplompädagogin Katharina Saalfrank machte in einem Vortrag am Donnerstagabend deutlich: Man braucht keine Erziehung sondern eine neue Art der Beziehung.

Nach der Eltern-Kind-Beziehung nimmt sich die einstige Super-Nanny nun die Lehrer vor, denn in der Rangfolge der prägenden Einflüsse auf das Kind stehen sie an zweiter Stelle. „Schule ist das zweite Lebensumfeld jedes Kindes“, betonte die Berlinerin in der Aula der Freiherr-vom-Stein-Schule vor 200 Eltern, Lehrern und einigen Jugendlichen.

„Wenn der Staubsauger kommt, sind die Kinder immer schnell mit dem Aufräumen ihrer Legosteine.“

Eine Mutter

Die einstige Erziehungsratgeberin hat sich weiterentwickelt. Neben ihrer familientherapeutischen Praxis steht sie in ihrer Heimatstadt Berlin auch den Schulen als ratgebende Pädagogin zur Seite. Ihr Ziel: die Lebensqualität der Kinder erhöhen. „Schule ist Ort der Begegnung, hier treffen Lehrer, Kinder und die Eltern aufeinander“, begann sie ihren Vortrag, „Beziehungen sollten dabei immer im Mittelpunkt stehen.“ Beziehungsfragen sind für Eltern schwierig. Saalfranks Lösungen scheinen sich auch nach RTL nicht geändert zu haben, man müsse seinem Kind auf einer Ebene begegnen, mit ihm reden und letztendlich Kompromisse finden. Für einige anwesende Eltern schon schwierig, denn wer hat die Nerven für Diskussionen, wenn es das Aufräumen betrifft. Zumindest eine Mutter hatte eine pragmatische Lösung: „Wenn der Staubsauger kommt, sind die Kinder immer schnell mit dem Aufräumen ihrer Legosteine.“

Einige Aussagen der einstigen Super-Nanny stießen bei den Eltern auf Stirnrunzeln. Kinder seien Teamworker – ein Vater in der vordersten Reihen konnte darüber nur mit dem Kopf schütteln.

Nach einer Stunde richtete Saalfrank dann den Blick auf die Schule. „Wir haben uns in den letzten zehn Jahren Instrumente geschaffen, die das Blickfeld auf das Kind stark einengen“, erklärte die Pädagogin. Ein Kind komme mit einem Jahr in die Kita und würde sofort in ein bewertendes System aufgenommen. „Noch vor der Einschulung kann das Kind stigmatisiert sein“, sagt Saalfrank.

Aus so einem System könne ein Kind nicht ausbrechen, nur schwer könne es dann eine Beziehung zur Lehrkraft formen. Saalfranks idealer Lehrer: Jemand könne nur außerhalb des Systems in eine Beziehung treten. Die Diskussion, vor allem unter den Lehrern, zeigte, dass dies für sie schwierig ist.

Jochen Bulawski, Vorsitzender des Vereins „gemeinsam stark“, der die Veranstaltung mit der Grundschule und der Freiherr-vom-Stein-Schule mit Unterstützung der VR-Bank Werra-Meißner organisiert hatte, stimmte mit Saalfrank überein. „Lehrer sind gezwungen ihre Freizeit zu opfern“, sagte Bulawski. „Für Lehrkräfte mit Familie ist dies eine unmögliche Aufgabe.“

Von Christiane Geier

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