Im nächsten Jahr 600-jähriges Bestehen

Burg Ludwigstein war auch Braustätte

599 Jahre alt: Die ehemalige Burg des Landgrafen Ludwig ist heute die Wappenburg des Werra-Meißner-Kreises.

Burg Ludwigstein. 600 Jahre Burg Ludwigstein – mehr als nur ein Ort unterschiedlicher Jugendbewegungen des 20. Jahrhunderts. Zur Vorbereitung des 600-jährigen Bestehens 2015 hatte die Leiterin des in der Burg ansässigen Archivs, Susanne Rappe-Weber, namhafte Historiker aus ganz Deutschland zu einem Symposium geladen.

Diese präsentierten neue Erkenntnisse zur Geschichte und dem Leben auf der Burg vor 1920.

So wurde die Entstehungsgeschichte der Burg als landgräflicher Amtssitz, als regionaler Herrschaftsmittelpunkt adliger Familien und der Ludwigstein als Domänenverwaltung aus verschiedenen Perspektiven näher unter die Lupe genommen.

Rappe-Weber beschrieb auszugsweise Ereignisse aus drei Epochen der Burggeschichte. Der Amtmann Hans von Dörnberg war erster Bewohner der vom Landgrafen Ludwig I. von Hessen errichteten Grenzburg Ludwigstein und durfte 1416 mit seiner Frau und Gesinde einziehen. Seine Aufgabe war, das landgräfliche Eigentum zu bewahren und zu behüten.

Als Belohnung für diesen Dienst durfte der verdiente Amtmann die Ländereien abgabenfrei bestellen. Zusätzlich bekam er 37 Malter Getreide, sieben Fuder Bier und 16 Seiten Fleisch vom landgräflichen Hof. Das Inventar wurde ihm ebenfalls kostenfrei zur Verfügung gestellt. Für den Wassertransport vom Tal zum Burgberg wurden zu dieser Zeit Esel eingesetzt. 13 Amtmänner oder 125 Jahre später war der Ludwigstein als Domäne etabliert.

1545 übertrug Landgraf Phillip II. die Burg seinem persönlichen Kammerdiener Christoph Hülsing, damit er die sächsische Hofdame Barbara von der Saale heiraten und standesgemäß versorgen konnte. Dieses wurde erforderlich, um Schaden durch eine „Nebenehe“ von Phillip II. von der Landgrafschaft abzuwenden.

Nach Hülsings Tod wurde die Burg durch Landgraf Wilhelm IV. mit einer Entschädigungszahlung von 20 000 Gulden an die Hülsingschen Erben in den Besitz der hessischen Landgrafschaft zurückgekauft.

In einem dritten Zeitzeugenbericht zitierte Rappe-Weber aus einem Tagebuch des Pächters der Domäne Ludwigstein-Wendershausen Johann Adam Schönwald aus den Jahren 1808 bis 1811. In diesem Tagebuch beschrieb Schönewald auf der linken Seite das Wetter und auf der rechten berichtete er über Tätigkeiten und Ereignisse zu dieser Zeit.

Unter anderem ist zu lesen, dass er im Saatfelde die Wasserfurchen habe streuen lassen und dass der Werleshäuser Schneider im November Winterröckchen für die Kinder nähte. „Aus diesen detaillierten Tagebucheinträgen könnten Rückschlüsse auf das Burgleben dieser Zeit gezogen werden“, machte Rappe-Weber in ihrem Vortrag deutlich. Auch wurde in der Zeit um 1770 auf der Burg Bier gebraut. Dieses wurde an Sonntagen regelmäßig ausgeschenkt und auch die Oberrieder Kirmesburschen waren des Öfteren zu Gast. Wegen des unversteuerten Bierverkaufs wurde die Pächterin seinerzeit angeklagt und der Verkauf wieder eingestellt.

Von Hartmut Neugebauer

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