"Moment-mal"-Treffen

Chance statt Problem

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Zeit für Impulse: In Ekko’s Hotel unterhielten sich die Witzenhäuser Unternehmer Davut und Anja Tatli (von links), der Kasseler Firmenchef Karl-Hans Caprano und Staatsminister Michael Roth mit Moderator Claus-Peter Müller von der Grün (2. von rechts) über die Frage „Ist Zuwanderung ein Gewinn?“. Gastgeber des Abends waren Andrea Stöber (3. von rechts, Autohaus Stöber) und Uwe Linnenkohl (rechts, VR-Bank-Vorstand).

Bad Sooden-Allendorf. Die Zuwanderung von Menschen aus dem Ausland einmal als Chance für die Region statt als Problem begreifen - unter diesem Motto stand das siebte „Moment mal"-Treffen am Dienstag in Bad Sooden-Allendorf.

350 Unternehmer und Führungskräfte aus dem Landkreis waren der Einladung von Andrea Stöber (Autohäuser Stöber) und Uwe Linnenkohl (VR-Bank Werra-Meißner) ins Ekko’s Hotel gefolgt.

Dabei gaben vor allem Anja und Davut Tatli aus Witzenhausen dem Thema eine sehr persönliche Note: Die Goldschmiedin und der Metallbauer haben beide vielfältige Erfahrungen mit dem Gefühl von Fremdheit gemacht. Sie berichteten offen und humorvoll, was passieren kann, wenn sich ein türkisch-stämmiger Bischhäuser und eine Witzenhäuserin mit Faible für Frankreich ineinander verlieben. Beide Elternpaare hätten den Partner des anderen zunächst abgelehnt, obwohl sie Davut oder Anja nie gesehen hatten. Mittlerweile sei das Verhältnis aber herzlich.

Staatsminister Michael Roth (SPD) erinnerte daran, dass Europa mit 600 000 Flüchtlingen nur einen Bruchteil der 51 Millionen Menschen aufnehme, die weltweit auf der Flucht seien. Deutschland sei in Zeiten sinkender Bevölkerungszahlen auf diese Arbeitskräfte angewiesen. Im Vergleich zu den Einwanderungswellen der 1990er Jahre sehe er aber eine zunehmende Offenheit. Das Ausland sei da offenbar schon weiter. „Deutschland kann froh sein über die Freundlichkeit, die uns entgegenschlägt - gerade, wenn man bedenkt, was Deutschland der Welt vor 70 Jahren angetan hat.“

Wie Offenheit und kulturelle Vielfalt zum Wohl einer Firma genutzt werden kann, beschrieb Karl-Hans Caprano. Er beschäftigt in seiner Firma Technoform an weltweit 45 Standorten 1200 Mitarbeiter, die insgesamt 40 Sprachen sprechen. Wertschätzung sei dabei sehr wichtig, sagt Caprano. „Wir behandeln die Mitarbeiter im Ausland wie die in Deutschland auch - wir fördern und fordern.“ Bei Ansätzen von Fremdenfeindlichkeit greife die Firma hart durch, denn die Vielfalt der Mitarbeiter sei ein Vorteil. „Sie können als Kulturmittler zu unseren Kunden dienen und sind sehr wichtig für unsere Firma.“

Moderiert wurde der mittlerweile zur Tradition gewordene Abend von FAZ-Redakteur Claus-Peter Müller von der Grün, der auch das Publikum in die Diskussion miteinbezog.

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