65. Geburtstag

Als Prinz Charles im Werra-Meißner-Kreis war

Berichterstattung: Prinz Charles gab es 1997 sogar als Farbfoto in der Zeitung – die meisten Bilder wurden damals noch schwarz-weiß gedruckt.

Witzenhausen. „Der hat ja keine Krone auf.“ Was dem Witzenhäuser Kind vor sechzehneinhalb Jahren beim Anblick des prominenten Besuches in der Werrastadt auffiel, hat bis heute seine Gültigkeit. Prinz Charles, der britische Thronfolger, ist immer noch nicht König. Heute kommt er ins Rentenalter, er vollendet sein 65. Lebensjahr. Anlass, an seine Stippvisite im Werratal am 13. Mai 1997 zu erinnern.

„Seine Königliche Hoheit“, war sozusagen auf Öko-Tour in Nordhessen, hatte zunächst einen Alnatura-Laden in Kassel und das Öko-Gut Kragenhof an der Fulda besucht, bevor er von Nordwesten her in den Werra-Meißner-Kreis kam. Kurz vor dem Durchfahren des Konvois sperrte Polizei Kreuzungen, um freie Durchfahrt zu gewährleisten.

Um 15.45 Uhr, so hält es der Chronist fest, ist von der Siedlung am Warteberg aus eine Staubwolke zu sehen, die an der Kompostanlage auf dem Burgberg aufgewirbelt wird. Dort, wo Bioabfall verwertet wird, begrüßt der damalige Landrat Dieter Brosey den Prince of Wales. Dessen Hauptziel aber ist das Öko-Wohnhaus von Prof. Dr. Hardy Vogtmann am Rudolf-Herzog-Weg in Witzenhausen.

Vogtmann hatte den hohen Besuch erst ins Nordhessische gelockt. Den auch als Öko-Papst bekannten damaligen Präsidenten des Landesamtes für Landwirtschaft und Regionalentwicklung und den Prinzen verbindet eine Art Seelenverwandtschaft. Sie haben sich den Umbau der Landwirtschaft nach umweltverträglichen Prinzipien auf die Fahnen geschrieben. Und Vogtmann wurde zum Berater des Thronfolgers auf dessen Öko-Landsitz.

Um 16.02 Uhr fährt die Kolonne vor, Charles – mit dunkler Sonnenbrille – steigt aus einem 7er-BMW, der damalige Bürgermeister Günter Engel schüttelt ihm die Hand. Als Vogtmann seinem guten Bekannten seinen Garten präsentiert, besteht Gelegenheit zum Fotografieren für die vielen Schaulustigen. Diese und ein paar Kamerateams waren gut eine Stunde zuvor vor Vogtmanns Haus aufgelaufen.

Kurz vor 17 Uhr: Charles verlässt das Anwesen, der Tross macht sich über Feldwege im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Staub – zum Verdruß manches an der Straße noch wartenden Witzenhäusers.

In dem Öko-Haus am Rudolf-Herzog-Weg wohnt Vogtmann schon lange nicht mehr, er hat es verkauft. Charles’ 65. Geburtstag feiert er auch nicht mit. Aber zum 60. waren er und seine Frau unter den 200 Gästen aus der ganzen Welt im königlichen Palast.

Noch immer hat der Öko-Experte aber guten Kontakt zum Prinzen. Als dieser sich Ende Mai dieses Jahres in der Region Hohenlohe die vom Aussterben bedrohten Schwäbisch-Hällischen Landschweine und Limpurger Rinder besichtigte, traf man sich auf einer Tagung zur Nachhaltigkeit bei der Erzeugung von Lebensmitteln.

Noch Anfang Dezember werden sich beide bei einem Mittagessen wiedersehen, wenn der Prinz Wissenschaftlern aus aller Welt zu einer Tagung nach London eingeladen hat, um über die wahren Kosten der Lebensmittel zu diskutieren. Menschen

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