Ehepaar aus Bad Sooden-Allendorf drückt Enkel bei Olympia die Daumen

+
Gespannt am Fernseher: Als Großeltern des Bahnradsportlers Kersten Thiele verfolgen Irmgard und Gerhard Böcker in Bad Sooden-Allendorf, wie ihr Enkel bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro abschneidet. 

Bad Sooden-Allendorf. Radfahrverrückt sei er schon immer gewesen, sagen Irmgard und Gerhard Böcker über ihren Enkel Kersten Thiele. Diese Leidenschaft hat ihn nun bis zu den Olympischen Spielen gebracht. In Rio de Janeiro schaut er sich die Radsport-Wettbewerbe nicht an, er nimmt daran teil. 

Kersten Thiele ist einer von 425 Athleten in Brasilien, die die Farben Deutschlands vertreten. Der 23-Jährige startet in der Mannschaftsverfolgung auf der Bahn im Olympia-Velodrom.

Oma und Opa Böcker, 80 und 82 Jahre alt, drücken am Fernseher in Bad Sooden-Allendorf natürlich alle Daumen. Seit knapp einem Jahr wissen sie, dass Enkel Kersten die Teilnahme an den Olympischen Spielen anstrebte. Da habe er sich auch richtig reingekniet, beschreiben sie seinen Ehrgeiz. Mehrere Stürze bei Straßenrennen hätte er gehabt, bei einem sogar beide Hände aufgerissen. Aber trotz Schmerzen habe er den Lenker weiter festgehalten.

Radfahren beigebracht

Gerhard Böcker ist im Prinzip übrigens mitverantwortlich für den Weg, den der in Erfurt wohnende und in Frankfurt/Oder stationierte Sportsoldat eingeschlagen hat. Er brachte Klein-Kersten im Alter von fünf Jahren das Radfahren bei. „Wir haben richtig Spaß gehabt“, blickt Gerhard Böcker gern zurück.

„Der Junge fuhr immer das leicht abschüssige Rasenstück vor dem Haus entlang“, weiß auch Irmgard Böcker noch gut. Als der Kleine dann hinfiel, habe er Opa dafür die Schuld gegeben, weil er ihn auf den letzten Metern losgelassen hatte. Am Ende aber hat Kersten das Radfahren ohne Halten gelernt - wie gut, beweist er seit Jahren.

Schon vor sechs Jahren hat er der Oma ein Foto als Autogrammkarte von sich geschenkt, sie zeigt ihn in voller Fahrt bei einem Rennen. Am Donnerstag wird es für Kersten Thiele ernst, ab 22.23 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit finden die Ausscheidungs-Rennen statt. Sollten die erfolgreich bestritten werden, geht es am Samstagabend, 12. August, weiter. Das Finale beginnt um 23.20 Uhr.

Ob das Quartett mit Kersten Thiele soweit kommt? Als Zielvorgabe hat sich das Team den siebten Platz vorgegeben. Aber natürlich hoffen die Bahnradsportler auf mehr. „Bronze wäre schon schön“, hoffen die stolzen Großeltern sogar auf einen Platz auf dem Treppchen.

Bei der nächtlichen Eröffnungsfeier, bei der Kersten Thiele mit der deutschen Olympiamannschaft ins Maracana-Stadion einmarschierte, hat Gerhard Böcker seinen Enkel bei der Übertragung nicht entdecken können - auch nicht, als er sich am Vormittag die Wiederholung anschaute. Natürlich werden die Großeltern ihren Enkel im Wettbewerb sehen - und vielleicht auch bei der Abschlussfeier. Diese findet - nach Badestädter Zeitrechnung - in der Nacht zum Erntefest-Montag statt. Da wollen dann auch Kerstens Eltern in Allendorf vor dem Fernseher sitzen.

Zur Person

Kersten Thiele (23) wurde in Göttingen geboren, heute hat er seinen Wohnsitz in Erfurt. Im Alter von zehn Jahren wurde er als Radsportler aktiv, dem Kader des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) gehört er seit 2008 an. Als die bisher größten Erfolge nennt der ledige Sportsoldat den dritten Platz im Weltcup 2014 in Gudalajara und den zweiten Platz im Weltcup 2012 in Glasgow in der Mannschaftsverfolgung. Thiele hält den deutschen Rekord in der Mannschaftsverfolgung Elite und Junioren, er wurde Deutscher Meister in der Vierer-Mannschaftsverfolgung auf der Bahn 2012 und Deutscher Vize-Meister im Einzelzeitfahren auf der Straße der U23 im Jahr 2011. Bei den Juniorenweltmeisterschaften 2009 und 2010 gewann er jeweils eine Bronzemedaille.

Mehr zum Thema

Kommentare