Mieter sind enttäuscht

Eigentümer kassiert Nebenkosten, zahlt aber keine Stromrechnungen

+
Leerstände: Von den 24 Wohneinheiten an der Stettiner Straße in Hessisch Lichtenau sind nur 19 Wohnungen vermietet, die anderen Einheiten stehen seit Monaten leer.

Hessisch Lichtenau. Mieter in der Stettiner Straße 14 bis 18 in Hessisch Lichtenau sind enttäuscht: Seit die Wohnungsgesellschaft Hessen (GWH) ihre Häuser 2012 an die CGH A7 Invest GmbH & Co. KG aus Thüringen verkauft hat, läuft einiges schief. Wechselnde Hausmeister, keine Ansprechpartner und nun könnte den Mietern sogar der Strom abgestellt werden.

Obwohl sie regelmäßig ihre Miete zahlen.

Seit Dienstag hängt in den Fluren der drei betroffenen Häuser eine Mitteilung des Energieversorgers Eon Mitte AG mit dem Hinweis, dass der Allgemeinstrom am Montag, 27. Januar, abgestellt wird. Grund: Der neue Vermieter hat die Stromrechnung offenbar schon seit Monaten nicht bezahlt, obwohl der Allgemeinstrom und Gas in den Miet-Nebenkosten enthalten sind. In dem Schreiben, das unserer Zeitung vorliegt, heißt es: „Wir haben erhebliche Zahlungsrückstände mehrfach angemahnt und ihren Vermieter auf die Folgen anhaltender Zahlungsrückstände, nämlich die Sperrung des Stromzählers, unmissverständlich hingewiesen.“

Da alle Bemühungen erfolglos blieben, sei die Eon nun dazu gezwungen, die Stromlieferung einzustellen, heißt es weiter. Die Eon hat auf Anfrage unserer Zeitung indes die Zahlungsrückstände der CGH A7 bestätigt und ihre Gesprächsbereitschaft signalisiert: „Wenn sich die Mieter bereiterklären, die laufenden Kosten direkt an uns zu zahlen, können wir die Sperrung aufheben“, sagt Eon-sprecherin Verena Huber.

Für die Mieter Stefan M.* und Sabine Z.* ist das aber keine Option: „Wie sollen wir das in einem Wohnblock mit 19 Mietparteien organisieren?“, sagen sie kopfschüttelnd und ergänzen: „Wir sind total verunsichert, weil wir keinen Ansprechpartner haben, da geht nie einer ans Telefon.“ Dem Anschein nach handelt es sich hier aber nicht um einen Einzelfall, sondern um das übliche Geschäftsgebaren der Firma.

Auch in Witzenhausen besitzt die CGH A7 Wohnungen, und auch hier gab es in der Vergangenheit Probleme wegen offener Stromrechnungen (wir berichteten). Nachdem die Redaktion zwei Tage versucht hatte die Verantwortlichen zu erreichen, meldete sich die Geschäftsführerin: „Wir kümmern uns um die Sache und werden die offene Forderung begleichen. Die Mieter müssen keine Angst haben, dass ihnen der Strom abgestellt wird“, sagte Doreen May.

Nach Recherchen unserer Zeitung hatte die CGH A7 über Mittelsleute und eine Briefkastenfirma Verbindungen zu drei Geschäftsleuten, gegen die die Staatsanwaltschaft Mühlhausen wegen des Verdachts des Betrugs, der Steuerhinterziehung und Insolvenzverschleppung ermittelte (wir berichteten). Die Männer sollten sich am Vermögen einer mittelständischen Firma in Thüringen bereichert und Schäden in Millionenhöhe verursacht haben. 

*Die Namen wurden von der Redaktion geändert.

Kommentare