Falsche Holzwahl vor 15 Jahren - Grundsanierung kostet etwa 1,7 Millionen Euro

Gradierwerk in Bad Sooden-Allendorf muss erneut saniert werden

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An einem maroden Balken des Gradierwerks: Friedhelm Eckhardt (Stadtbauamt, von links), Betriebsleiter Patrick Gerlach (Werratal-Therme) und Bürgermeister Frank Hix. 

Bad Sooden-Allendorf. Ob die finanziell klamme Badestadt nun Geld hat oder nicht: Das letzte erhaltene Zeugnis historischer Salzgewinnung in Sooden, das Gradierwerk Nr. 5, muss dringend saniert werden. Das sagt nicht nur Bürgermeister Frank Hix (CDU).

Die Schwarzdornbündel in den großen senkrechten Flächen, über die die Sole rieselt, müssen komplett ausgetauscht werden, da die Reiser wieder stark verkrustet sind. Zum einen wird die gesamte Konstruktion dadurch immer schwerer, zum anderen minimiert sich das zur Inhalation gedachte Zerstäuben des von oben herunter rieselnden, salzhaltigen Wassers.

Zudem werden immer mehr der starken hölzernen Balken marode. Eine Gefahr bestehe aber nicht, sagen Friedhelm Eckhardt vom Stadtbauamt und Betriebsleiter Patrick Gerlach von der Werratal-Therme, zu deren Saunabereich ein Teil des Gradierwerks gehört. Die schräg angesetzten Stützpfeiler entlang der Wandelgänge dienten lediglich der Optik.

Dennoch: Ein Gutachter hat nach der statischen Untersuchung vorgegeben, dass 2017 erneuert werden müsse. Und ein Risiko werde er nicht eingehen, sagt Hix. Im Zweifelsfall müssten die Wandelgänge gesperrt werden, befürchtet der Bürgermeister. „Aber davon leben wir“, verweist er auf die Bedeutung des Gradierwerks für Reha-Patienten und anderen Gäste der Badestadt.

Deshalb wird auch regelmäßig repariert. Laut Eckhardt wurden in den vergangenen zehn Jahren 229.000 Euro für die Bauunterhaltung ausgegeben. Allein 2011 floßen 190.000 Euro in die Erhaltung von Balken. Denn die Konstruktion aus Nadelholz leidet unter der Witterung.

Auch reparaturbedürftig: Der Turm am östlichen Ende des Gradierwerks – direkt neben der Bahnstrecke – ist nicht mehr in Betrieb. Er wurde Anfang des Jahrhunderts nicht saniert. Aber auch an diesem Bauteil nagt der Zahn der Zeit, deshalb soll er nun im nächsten Jahr nach historischem Vorbild auch restauriert werden. Dafür sind 70.000 Euro erforderlich. 

Bei Eiche oder Lärche wäre das nicht passiert, sagen die Experten. Die hatten schon vor bald 20 Jahren abgeraten, vorwiegend Fichtenstämme zu verwenden. Doch bei der Generalsanierung des Gradierwerks von 2001 bis 2003 sei - auch schon wegen klammer Stadtkasse - vieles in Eigenleistung und vor allem mit viel Holz aus dem Stadtwald gemacht worden. „Damals wurde genommen, was es gab“, sagt Hix und spricht von einem heute „großen Problem“. Schon nach drei, vier Jahren waren die ersten Pilze im Holz gewachsen, sie beschleunigen den Verwitterungsprozess.

Bis 1,7 Millionen Euro teuer

In der Tat: 1,6 bis 1,7 Millionen Euro kostet der Schätzung zufolge die neuerliche Grundsanierung. Ein großer Brocken ist der Austausch des Schwarzdorns, was aber alle zehn bis 15 Jahre sowieso ansteht. Und bei der Holzkonstruktion - auch die hölzernen Wannen, in denen sich die Sole wieder sammelt, sind teilweise schon undicht - soll nun alles in widerstandsfähigerem Lärchenholz ausgeführt werden.

Woher soll das Geld dafür kommen? „Wir sind auf der Suche“, antwortet Hix. Ohne Hilfe vom Land Hessen und von der Denkmalpflege werde es nicht gehen. Eine Zusage gibt es aber noch nicht.

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