450 Muttertiere und 300 Lämmer

Familie Timmerberg betreibt am Hohen Meißner eine Hüteschäferei

Klauenpflege vor dem Start: Sohn Jan-Philipp (rechts) unterstützt seine Eltern Meinolf und Monika Timmerberg bei der Arbeit mit den Schafen. Nach der Kontrolle der Tiere zieht die Herde gegen Mittag los – an diesem Tag von Dudenrode Richtung Hilgershausen. Im Winter weiden die Schafe pro Tag bis zu zwölf Hektar ab, bei hohem Schnee wird Silage zugefüttert. Foto: Steensen

Dudenrode. Lämmer und Ostern gehören zusammen: Am Hohen Meißner betreibt Familie Timmerberg eine Schäferei. Die Tiere pflegen die Landschaft und liefern Fleisch und Wolle.

Wenn Sie zu Ostern einen Lammbraten aus der Region genießen, ist es gut möglich, dass das Tier bis vor kurzem mit Hüteschäfer Meinolf Timmerberg über den Meißner zog. Vor 30 Jahren tauschte der studierte Germanist und Philosoph die Bücher gegen Fangstab und Schäferschippe, umfortan als Schäfer zu leben und zu arbeiten.

Seit 1990 unterstützt ihn Ehefrau Monika - auch einige erwachsene Kinder der elfköpfigen Patchworkfamilie packen mit an. Derzeit betreuen die Dudenröder 450 Muttertiere und 300 Lämmer. Auf den Hängen des Meißners weiden zumeist Leineschafe, auf dem Kalkhof in Wanfried kümmert sich ein Mitarbeiter um 180 Merino-Schafe. „Die Merinos kommen mit dem Boden am Meißner nicht so gut zurecht“, berichtet Monika Timmerberg. Viele bekämen dort Klauenprobleme. Auf den kalkhaltigen Wanfrieder Böden bleiben sie gesünder.

Wenige Tage alt: Bei der Merino-Herde, die Familie Timmerberg im Stall in Wanfried hält, ist der Nachwuchs bereits da. In der Herde am Meißner werden Lämmer ab Juni erwartet. Foto: Englert/nh

Die Leineschafe leben dagegen das ganze Jahr im Freien: Jeden Tag, Sommer wie Winter, führen Meinolf Timmerberg und Lehrling Paulina Englert sie von Weide zu Weide. 300 Hektar Weide- und Naturschutzflächen halten die Schafe kurz, sie düngen sie mit ihren Hinterlassenschaften und sorgen dafür, dass die offene Landschaft am Meißner nicht verbuscht. Mehrere selbst ausgebildete Schäferhunde halten die Herde zusammen und verhindern, dass sie auf fremde Felder läuft. Nachts schlafen die Schafe in einem mobilen Pferch, morgens holt Timmerberg sie ab, weiter geht’s.

„Sieben Stunden müssen die Schafe heute mindestens noch fressen“, sagt Timmerberg gegen 11.30 Uhr. Doch mit der Begleitung ist seine Arbeit nicht getan: Täglich müssen die Tiere kontrolliert, bei Bedarf Klauen geschnitten werden. Wenn Durchfall die Wolle am Hinterteil verklebt, wird der Dreck abgeschoren, um Krankheiten vorzubeugen. Zur Lammzeit sind die Schäfer auch als Geburtshelfer gefragt.

Zu Besuch beim Hüteschäfer am Meißner

Die Timmerbergs begleiten ihre Tiere auch in deren letzten Stunden: Die sieben Monate alten Lämmer werden von Metzgern in der Region geschlachtet, von Monika Timmerberg zerlegt. Die gelernte Buchhändlerin liefert das Fleisch an heimische Restaurants, verkauft es aber auch direkt ab Hof. Sie sind auf die Einnahmen aus dem Fleischverkauf angewiesen. „Nur von den den EU-Subventionen und dem Lohn für die Beweidung könnten wir nicht leben“, sagt Timmerberg. Auch der Verkauf von Wolle und Produkten rund ums Schaf trägt zum Familieneinkommen bei. „Wir achten sehr auf die Qualität der Wolle“, sagt Timmerberg. Viele Schafhalter hätten das in den 1990er Jahren bei Wollpreisen von 80 Pfennig pro Kilo aufgegeben. Jetzt bekäme sie immerhin zwei Euro pro Kilo. Der Bio-Boom habe noch nicht dazu geführt, dass mehr Menschen Meißner-Lamm kaufen, so die Dudenröderin. Sie hofft, über die Öko-Modellregion ihre Produkte gemeinsam mit anderen Bio-Produzenten bald direkt in Kassel verkaufen zu können.

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