Faultiere müssen in die Baumkrone

Mit Fingerspitzengefühl: Thea Reutel führt ihr selbst entwickeltes Kinderspiel „Sloth Motion“ vor. Kommendes Wochenende wird sie es auf einem Spieleautoren-Treffen präsentieren. Foto: Künemund

Bad Sooden-Allendorf. Thea Reutel aus Bad Sooden-Allendorf entwickelt Spiele für Kinder. Eins davon stellt sie bei einer Messe am Wochenende vor und hofft auf ein Stipendium für Spieleautoren.

Ein Faultier nach dem anderen wird behutsam an die Äste gehängt. Dabei muss auf die Balance geachtet werden. Sonst stürzt der Baum ein, der aus übereinander gestapelten Holzklötzen mit Kerben besteht. Durch diese sind die Äste gesteckt. Das Ziel: Möglichst viele Faultiere sollen sich am Ende in der Baumkrone tummeln - ob in Kooperation mit einem Mitspieler oder im Wettkampf.

Das sind in Kurzform die Regeln des Kinderspiels „Sloth Motion“, das Thea Reutel aus Bad Sooden-Allendorf entwickelt hat. Eins, das die 27-jährige Erzieherin am kommenden Wochenende bei einem Spieleautoren-Treffen in Göttingen vorstellen wird. „Das ist wie jede andere Messe. Man stellt sein eigenes Produkt vor und hofft, dass es den Besuchern gefällt“, sagt Reutel.

Mit dem Spiel hat sie sich auch um ein Stipendium für Spieleautoren beworben. Wenn sie es bekommt, erhält sie 3000 Euro Preisgeld, die für unterschiedliche Praktika gedacht sind. Eins davon fände zum Beispiel bei einem größeren Spieleverlag wie Ravensburger statt. „Ich kann mir sehr gut vorstellen, künftig den Beruf der Spieleentwicklerin auszuüben“, erklärt Thea Reutel. Die Umorientierung vom Erzieher-Job sei ohnehin nicht so einschneidend.

Im Gegenteil: Ihre bisherige Tätigkeit habe ihre Leidenschaft gefördert. „In der Kita habe ich mir schon immer kleinere Spiele ausgedacht, um den Kindern beispielsweise Wetter-Begriffe beizubringen.“ Anfang des Jahres hat sie für ihren Vater - einen Hobby-Angler - dann zum ersten Mal ein komplexeres Angel-Spiel entwickelt. Danach folgten ein Spiel mit Monster-Jägern und das besagte „Sloth Motion“. „Und ich habe noch viele weitere Ideen im Kopf“, sagt Thea Reutel.

Die Arbeit an dem einzigen Exemplar von „Sloth Motion“ habe einige Wochen in Anspruch genommen. „Man muss viel experimentieren und tüfteln, bis alles klappt. Und das abends neben einem Vollzeit-Job“, sagt Thea Reutel. An Materialien verwendet habe sie Holz, Moos, Muttern, Bierdeckel, Würfel und eben Miniatur-Faultiere.

Doch die Mühe mache sie sich gern: „Ich bin schon immer großer Spiele-Fan und kreiere nun selbst welche. Das ist toll.“

Hintergrund:

Das 34. Spieleautorentreffen in der Göttinger Stadthalle findet am Samstag, 6., und Sonntag, 7. Juni, statt. Dort tauschen sich Spieleautoren untereinander aus und treffen auf Redakteure, die innovative Spiele suchen. Zirka 150 Autoren werden erwartet. Besucher können am Sonntag zwischen 10 und 14 Uhr Spielneuheiten testen und einige kaufen. Mittlerweile haben sich die Vertreter von 37 Verlagen und Agenturen angemeldet. Also bietet sich eine gute Gelegenheit für Spieleautoren, ihre Werke vielen möglichen Interessenten vorzustellen. Gleichzeitig wird auch das Autorenstipendium der Jury „Spiel des Jahres“ — in Zusammenarbeit mit der SAZ — vergeben. (flk)

Infos zum genauen Programm unter www.spieleautorenzunft.de

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