Feuerwehr und Rettungsdienst übten im Schulbergtunnel der A 44 den Ernstfall

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Chaos so weit das Auge reicht: In der 700 Meter langen Tunnelröhre hatte die Feuerwehr alle Hände voll zu tun, um verwirrte und schockierte Unfallopfer zu versorgen. Foto: Geier

Hessisch Lichtenau. Rauch steht in der 700 Meter langen Tunnelröhre, die Ventilatoren stehen, Unfallopfer schreien um Hilfe. Damit bei einem Notfall alle wissen, was zu tun ist, wurde am Freitagabend im Schulbergtunnel der A 44 der Ernstfall geprobt.

Kurz nach sieben Uhr schallt die blecherne Stimme durch das Lautsprechersystem: „Brand im Tunnel!“ Dicke Rauchschwaden ziehen aus der Tunnelröhre. Eine Autofahrerin hat die Kontrolle über ihr Fahrzeug verloren, welches Sekunden später in Flammen stand. Nachfolgende Autos sind miteinander kollidiert. Über 20 Personen sind in den Unfall verwickelt.

Nach dem Einsatzplan werden Feuerwehr und Rettungsdienst alarmiert: Die Feuerwehren aus Helsa, Hessich Lichtenau, Waldkappel und Wehretal, jeweils mit den verschiedenen Ortsteilen, treffen nach und nach ein, genauso wie das DRK aus beiden Kreisteilen. Diese fahren die Rettungsplätze an den beiden Tunnelportalen sowie am Notausstieg an. Parallel dazu wird mittels des Einsatzleitwagens auf dem Vorplatz des Betriebsgebäudes der Tunnelwartung die Technische Einsatzleitung eingerichtet.

Erkunder gehen vor

16 Minuten nach der Alarmierung passiert der Einsatzwagen der Stadtwehr Hessisch Lichtenau das Tunnelportal Ost des parallel liegenden Tunnels. Der Erkundungstrupp macht sich bereit, mit Atemmasken betritt er die rauchgefüllte Röhre. Sie werden von schreienden Verletzten erwartet. Einige rufen um Hilfe, während andere nur unter Schmerzen stöhnen. Ohne darauf einzugehen, geht der Trupp an ihnen vorbei. Denn für die Verletzten ist der Such- und Rettungstrupp zuständig. Dieser barg später alle nacheinander. Die Bilanz des Übungsszenarios: Sechs Tote, darunter ein Kind. Zudem drei Schwer-, zehn Leicht- und fünf Unverletzte.

Je länger man wartete, desto schrecklicher wurden die Ausmaße: Überall sammelten sich die Verletzten. Manche waren bewusstlos, viele schrien vor Schmerzen oder auch aus Panik. Die Feuerwehr hatte alle Hände voll damit zu tun, die panischen Menschen unter Kontrolle zu bekommen.

Das Team Crash Art hatte alle mit perfekten „Wunden“ versehen und optimal auf ihre Verletztendarstellung vorbereitet. „Wir wollen auf die Psyche der Rettungskräfte einwirken“, erklärte Crash-Art-Leiter Jochen Radtke.

Mit vollem Körpereinsatz mussten die Feuerwehrleute die hysterischen Frauen, die zurück zur Unfallstelle wollten, zurückhalten. Über zwei Stunden dauerte das Spektakel. Die Fluchtversuche der Verletzten kosteten den Einsatzkräften Nerven.

„Wir haben den erarbeiteten Einsatzplan geübt, damit wir im Ernstfall wissen, was zu tun ist. Nun werden die Schwachstellen gefunden und optimiert“, erklärte Einsatzleiter und Kreisbrandinspektor Christian Sasse nach der Übung. Das betreffe vor allem einige Transport- und Kommunikationsprobleme. Beispielsweise sei der Verletzte mit multiplen Frakturen und derjenige mit schwerwiegenden Verbrennungen schnell behandelt worden, während die Fahrerin des Unfallwagens mit einem Schädelhirntrauma lange unbehandelt blieb.

Von Christiane Geier

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