16 Flüchtlinge ziehen bald ins Gemeindehaus

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Gemeindehaus wird Gruppenunterkunft: Ab Januar sollen nach dem Willen der evangelischen Kirche hier Asylbewerber einziehen. 

Fürstenhagen. Die evangelische Kirchengemeinde Fürstenhagen hat ihr Gemeindehaus an den Werra-Meißner-Kreis vermietet, der dort Flüchtlinge unterbringen will.

Pfarrer Gert Merkel weiß es schon lange: Das Gemeindehaus in Fürstenhagen ist nicht kostendeckend zu betreiben. Jedes Jahr läuft ein fünfstelliger Betrag auf, um das Gebäude in Schuss zu halten. Zu selten wird es heute noch für Hochzeiten und Geburtstage gebucht. Deshalb beriet sich der Kirchenvorstand und entschied, das Haus für fünf Jahre an den Werra-Meißner-Kreis zu vermieten, der es als Gruppenunterkunft für Flüchtlinge nutzen will.

Mittlerweile hat der Vorstand des evangelischen Gesamtverbandes dem

Gert Merkel

Anliegen zugestimmt und Kreis-Pressesprecher Jörg Klinge bestätigte auf Anfrage, dass Anfang Januar 16 Asylbewerber in das Gemeindehaus einziehen sollen. Vorher müsse noch einiges umgebaut werden. Unter anderem sollen Duschen installiert sowie eine Waschmaschine aufgestellt werden. Das 340 Quadratmeter (m2) große Gebäude wird dann über vier Zimmer und einen großen Aufenthaltsraum verfügen. Für Pfarrer Merkel ist der Mietvertrag eine klassische Win-Win-Situation.

Heißt: Alle Beteiligten und Betroffenen haben davon ihren Nutzen:

• Die Gemeinde erzielt statt einem Minus ein Plus in fünfstelliger Höhe: Die Mieteinnahmen werden sich bei einem Mietpreis von 3,50 Euro pro m2 auf etwa 14 000 Euro im Jahr belaufen.

• Der Kreis, der händeringend nach geeigneten Unterbringungsmöglichkeiten sucht, erhält zu einem angemessenen Mietzins eine gepflegte und geeignete Wohnung.

• Die Asylbewerber bekommen ein festes und warmes Dach über den Kopf, ohne das sie besonders im Winter Not leiden würden.

Ob jeder in der Gemeinde diesen Schritt befürwortet, weiß Pfarrer Merkel natürlich nicht, aber er steht voll hinter der Entscheidung. „Ein nicht ausgelastetes Gemeindehaus, das nicht kostendeckend zu betreiben ist, dient nicht der Verkündung des Evangeliums“, findet er. Ein Brief des Bischofs habe diese Überlegungen noch um die Dimension der ethischen Verantwortung für Notleidende Menschen erweitert.

Ausweichoption für Vereine 

Aktuell wird das Gemeindehaus unter der Woche noch von diversen Gruppen genutzt, darunter der Frauengesprächs- und Mütterkreis, die Konfirmanden und Vorkonfirmanden sowie zwei Chöre. Diese müssten aber keine Angst haben, nun keine Räume mehr zu haben, sagt Merkel.

Damit weiterhin genug Versammlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen, habe man beim Bau des evangelischen Kindergartens einen Mehrzweckraum geschaffen, der künftig belegt werden könne. Weiterhin stünden auch in der Mehrzweckhalle Fürstenhagen sowie in den Gemeindehäusern Quentel und Hessisch Lichtenau Räume zur Verfügung.

Obwohl im Werra-Meißner-Kreis viele Gemeindehäuser nicht mehr kostendeckend bewirtschaftet werden können, hat das Fürstenhagener Beispiel noch nicht Schule gemacht. Laut Klinge seien einzig im Gemeindehaus der Marktkirche Eschwege Flüchtlinge untergebracht.

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