"ich würde es wieder machen"

Altenpflegerin Rungard Goldmann geht nach 30 Jahren in Ruhestand

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Fast 30 Jahre in der Gemeindepflege tätig: Rungard Goldmann geht Ende Januar in Ruhestand, will aber in Notfällen auch einspringen.

Bad Sooden-Allendorf. Als „Frau für Notfälle" hat Rungard Goldmann im November 1985 bei der damaligen Gemeindepflegestation Werratal begonnen. Nun geht sie in den Ruhestand.

Nach fast 30 Jahren im Dienst der häuslichen Alten- und Krankenpflege sei sie zur „Frau für alle Fälle geworden“, wie Geschäftsführerin Hannelore Beutler von den Diakoniestationen Eschwege-Witzenhausen sie würdigt.

Ende Januar geht sie in Ruhestand. Doch, so verriet die 64-jährige Allendörferin, wenn „Not am Mann ist“, dann springe sie noch mal ein. Dann wird Rungard Goldmann also wieder zur Frau für Notfälle.

Rungard Goldmann begann - gerade erst aus Bautzen in der damaligen DDR nach Bad Sooden-Allendorf umgesiedelt - als Familienpflegerin, auch Haushilfe genannt. Sie wurde zunächst zur Dritten im Bunde bei der kirchlichen Gemeindepflege, um die sich der ökumenische Zweckverband Werratal mit Pfarrer Friedrich Abendroth an der Spitze kümmerte. Für Sooden und für Allendorf gab es, konfessionell ausgewogen, jeweils eine Gemeindeschwester.

Goldmann sprang im Notfall bei Familien ein, wenn beispielsweise die Mutter ins Krankenhaus musste. Hauptsächlich aber besuchte sie ältere Menschen, begleitete Hilfsbedürftige beim Einkaufen und half beim Packen von Weihnachtspäckchen.

Nach damals noch zweijähriger Umschulung zur examinierten Altenpflegerin setzte sie ihre Arbeit mit einer vollen Stelle bei der Gemeindepflegestation fort. Die kümmerte sich um alle Menschen im Werratal außer in Witzenhausen und Eschwege. So war Goldmann manches Wochenende sogar bis in den äußersten Zipfel nach Heldra unterwegs zu hilfsbedürftigen Menschen - und sei es nur für die tägliche Insulin-Gabe.

Mit Pflegeversicherung und Einführung von Pflegestufen 1994 änderte sich vieles, vor allem der Arbeitsaufwand wuchs durch mehr Patienten. Es kam mehr Personal, Mittags- und Spätdienst und eine Einsatzleitung wurden eingeführt.

Goldmanns Einsatzbereich konzentrierte sich auf die Badestadt mit ihren Ortsteilen und Nachbardörfer. Ihre Arbeit habe sie immer gern gemacht, resümiert die Mutter dreier Töchter und vierfache Großmutter, nicht einen Tag sei sie missmutig oder schlecht gelaunt gewesen. Und sie würde es wieder machen, sagt die 64-Jährige im Rückblick ohne zu zögern. Nur im Seniorenheim wollte sie nie arbeiten. Bei der Hauspflege habe man mehr Verantwortung, müsse intuitiv entscheiden und sich um vieles kümmern.

Auch das Dokumentieren und Schreiben von Berichten habe in dieser Zeit enorm zugenommen, derweil die Arbeit bei den Patienten aber gleich geblieben sei, hört man schon etwas Bedauern über diesen Wandel in der Pflege bei ihr heraus.

Und was hat sich verbessert? Eine „tolle Geschichte“ findet Rungard Goldmann, dass es mittlerweile ein Palliativnetz mit Fachkräften gibt, das sich intensiv um Krebspatienten kümmert. „Da waren wir hilflos.“

Von Stefan Forbert

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