Doppelter Schicksalsschlag: Beide Zwillinge erkrankt

Frau aus Heli hofft auf Hilfe für krebskranke Schwester

Kämpfernatur: Mit zweieinhalb Jahren erkrankte Selver Giesing an Polio (Kinderlähmung) und ist seitdem an den Rollstuhl gefesselt. Trotzdem absolvierte sie eine Ausbildung zur Erziehern und leitet mitlerweile die U3-Gruppe des städtischen Kindergartens in Hessisch Lichtenau. Foto:  Shuhaiber

Hessisch Lichtenau. Selver Giesing ist verzweifelt: „Jeden Tag lebe ich in Sorge um meine Schwester “, sagt die 42-Jährige. Dabei ist die Erzieherin selbst schwer krank.

3500 Kilometer Entfernung liegen zwischen Selver und Dilek. In den vergangen 25 Jahren haben sich die eineiigen Zwillinge nur selten gesehen. Jetzt erlitten die beiden Frauen den selben Schicksalsschlag. Innerhalb einer Woche wurde bei beiden Brustkrebs diagnostiziert.

Vor fünf Wochen wurde bei Selver Giesing ein Tumor in der Brust diagnostiziert. Nun muss sich Selver einer Chemotherapie unterziehen, anschließend operiert und bestrahlt werden.

Das Tragische: bei ihrer Zwillingsschwester Dilek, die im südtürkischen Adana lebt, wurde eine Woche zuvor ebenfalls Brustkrebs diagnostiziert. Doch während Selver im Interdisziplinären Brustkrebszentrum (IBZ) am Klinikum Kassel medizinisch gut versorgt wird, erhält ihre Zwillingsschwester in der Türkei nicht die so dringend nötige Krebstherapie.

„Die medizinische Versorgung in der Türkei ist nicht so gut wie hier bei uns“, sagt Selver Giesing. Zudem lebe Dilek mit ihrer Familie in sehr einfachen Verhältnissen. Ihre Schwester arbeitet in einem Möbelladen, der Ehemann ist Schulbusfahrer. Zusammen verdienen sie gerade genug, um einigermaßen über die Runden zu kommen. „Die Krankenversicherung in der Türkei deckt nur die medizinische Grundversorgung ab“, ergänzt Selver Giesing.

Dilek wird momentan nicht ärztlich versorgt, weil sie sich die Therapie finanziell nicht leisten kann: „Wenn Dilek einen Tag an der Arbeit ausfällt, verdient sie nichts.“ Belastend sei auch, dass ihr Arbeitgeber angekündigt hat, dass Arbeitsverhältnis zu beenden, sollte Dilek längere Zeit ausfallen. Mit einer Kündigung würde auch der Versicherungsschutz erlischen. Ein Teufelskreis.

Um ihre Familie zu ernähren, geht die Schwerkranke weiter zur Arbeit, obwohl sie dringend eine Krebstherapie benötigt. Neben dem Tumor in der Brust wurde bei der zweifachen Mutter auch noch ein Gebärmutterhalskrebs diagnostiziert. Doch Dilek versucht stark und fröhlich zu bleiben. „Sie weicht mir immer aus und sagt, dass sie nächste Woche zum Arzt gehen wird.“ Aber Selver Giesing ist bewusst, dass Dielek das nur sagt, damit sie sich nicht zu große Sorgen macht.

„Ich weiß, das ich hier in guten Händen bin, aber wie soll ich es schaffen, zuzuschauen, wie meine Zwillingsschwester aufgrund der fehlenden aber lebensnotwendigen Behandlung sterben könnte.“ Selver Giesings Gedanken sind jeden Tag bei der Schwester in der Türkei: „Leider gibt es keinen Schalter, den ich einfach so umlegen kann“, sagt sie mit Tränen in den Augen.

„Mein größter Wunsch wäre es, Dilek nach Deutschland zu holen, doch leider sind mir die Hände gebunden, auch wenn ich alles in meiner Macht stehende tun würde, aber so viel Geld kann ich einfach nicht nicht aufbringen!“

Von Alia Shuhaiber

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